Mario Matt hört auf

12. März 2015, 12:10
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Der Slalom-Olympiasieger und zweifache Weltmeister gab im Alter von 35 Jahren sein Karriereende bekannt: "Schaue auf schöne Zeit zurück"

St. Anton am Arlberg – Schlussendlich war es keine große Überraschung mehr. Über "seinen aktuellen Gesundheitszustand" und seine "sportliche Zukunft" wollte Mario Matt die Öffentlichkeit informieren – in der wurde über seinen möglichen Abschied aus dem Profisport bereits spekuliert, da und dort war man sich schon ganz sicher. Im Karl-Schranz-Zielstadion zu St. Anton, an dem Ort, an dem er 2001 mit zwanzig Jahren sein erstes WM-Gold geholt hatte, erklärte Matt am Donnerstag dann mit größter Gelassenheit das vielfach Erwartete: "Ich werde meine Karriere als Skirennläufer beenden."

Dabei sah er niemanden an, blickte vor sich auf den Boden, wehmütig wirkte Matt allerdings nicht: "Ich schaue auf eine schöne Zeit und viele Erfolge zurück, auch wenn ich zuletzt meine Ziele nicht mehr erreicht habe", sagt der 35-Jährige. Ein Knochenmarködem im Sprunggelenk, das er sich im Training für den WM-Slalom in Vail/Beaver Creek zuzog, habe ihm die Entscheidung letztlich abgenommen.

Zwischen den Zeilen hörte man auch: Er will einfach nicht mehr. "Das Skirennlaufen ist mir nicht mehr das Allerwichtigste im Leben. Wenn er zuletzt beim Training neben sich Touristen im Tiefschnee sah, habe er öfter gedacht, er würde gerade auch lieber abseits der Piste fahren.

Mehrere Rückschläge

Wer ihm so zuhörte, konnte fast vergessen: Mit Matt beendet einer der erfolgreichsten Slalomläufer aller Zeiten seine Karriere. Im Jahr 1999 gab er in Kranjska Gora sein Weltcupdebüt, 2000 feierte er in Kitzbühel mit Startnummer 47 den ersten von 15 Weltcupsiegen. Im darauffolgenden Jahr holte er den Weltmeistertitel "vor der Haustür", unweit seines Heimatortes Flirsch am Arlberg. "Daheim Gold holen, das gelingt nur wenigen", sagte er gestern.

Im Jahr 2002 folgte für Matt der erste große Rückschlag. In Kitzbühel zog er sich beim Start in den ersten Durchgang eine schwere Schulterverletzung zu. Er fuhr dann im ersten Lauf auf Rang neun, zum Finale trat er aber nicht mehr an. "Es gab immer wieder Tiefen, aber ich habe nie aufgegeben und das hat sich ausgezahlt", sagt Matt.

Und das gleich mehrfach: Bei der WM in Aare im Jahr 2007 schnappte er sich gleich zweimal Gold, neben dem Slalom auch im Teambewerb. Der letzte Höhepunkt seiner Karriere wird olympisches Gold in Sotschi 2014 bleiben, den Disziplinenweltcup gewann er allerdings nie.

Langweilig wird Matt nicht werden. Nach dem Abschied lud er in seine Après-Ski-Bar "Krazy Kanguruh", die er mit Lebensgefährtin Andrea betreibt, auf Burger und Getränke ein. Das Lokal kaufte Matt im Jahr 2009, seitdem war er als einziger Athlet im Weltcup quasi auch sein eigener Sponsor – der Schriftzug der Bar zierte die Hauben und Helme des Arlbergers.

Training mit Bruder

Peter Schröcksnadel hoffe nun auf den Nachwuchs aus der Matt-Familie: "Du bleibst dem Skisport bestimmt trotzdem erhalten und kannst ja jetzt mit deinem Bruder fleißig trainieren", sagt der ÖSV-Präsident. Matts jüngerer Bruder Michael gab sein Weltcupdebüt im Jahr 2013.

Jedenfalls will Mario Matt sich nun voll und ganz seiner zweiten Leidenschaft, der Pferdezucht, widmen. "Du warst eines der heißesten Rennpferde bei uns, jetzt züchtest du dir deine Pferde selbst", sagte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 12.3.2015)

Steckbrief: Mario Matt

Geboren am 9. April 1979 in Flirsch am Arlberg/Tirol
Wohnort: Flirsch
Größe/Gewicht: 1,90 m/90 kg
Familienstand: ledig, Freundin Andrea
Ski: Blizzard
Verein: Ski-Club St. Anton
Größte Erfolge:

Olympia:
Gold Slalom 2014

WM:
Gold Slalom 2001 und 2007, Teambewerb 2007, Silber Kombination 2001, Bronze Slalom 2013

Weltcup:
15 Siege (14 Slalom, 1 Super-Kombination)

Europacup:
Slalom-Gesamtsieger 1999/00

Junioren-WM:
Silber Kombination 1999 und Slalom 1998

  • Mario Matt verabschiedet sich, flankiert von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und ÖSV-Sportdirektor Hans Pum.
    foto: apa/stiplovsek

    Mario Matt verabschiedet sich, flankiert von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und ÖSV-Sportdirektor Hans Pum.

  • Nur einer von vielen Höhepunkten: Gold in Sotschi 2014.
    foto: reuters/rellandini

    Nur einer von vielen Höhepunkten: Gold in Sotschi 2014.

  • Der erste Sieg im Weltcup: Kitzbühel 2000, mit Startnummer 47 (!).
    foto: apa/rubra

    Der erste Sieg im Weltcup: Kitzbühel 2000, mit Startnummer 47 (!).

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