Farmen bedrohen das größte Amphibium der Welt

15. März 2015, 17:40
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Eine Spezies in Gefahr: Die Zucht des Chinesischen Riesensalamanders gefährdet durch Krankheitserreger im Abwasser die letzten Wildbestände

Shaanxi, China – Ein Tier am Bauernhof stellt man sich anders vor. Der Chinesische Riesensalamander ist mit etwa einem Meter Länge die größte Amphibienart der Welt und trägt durch seine Zucht einen ganzen Wirtschaftszweig im ländlichen China. Millionen von Tieren leben auf den Farmen, wo die als Delikatesse geltende Art seit einem Jahrzehnt im großen Stil produziert wird. Wissenschafter der Zoological Society of London und der Shaanxi Normal Universty, Xi’an untersuchten nun 43 Zuchtstätten, um die Gefahren und den Nutzen der Landwirtschaft für die gefährdete Tierart festzustellen.

Seuchengefahr in der Haltung

Die Studie stellt der Zucht ein schlechtes Zeugnis aus: Die Salamander sind auf den Tierfarmen oft auf engem Raum zusammengepfercht und erleben Transporte durch ganz China: Beides schafft ausgezeichnete Bedingungen für den Ausbruch von Seuchen. Über unbehandeltes Abwasser verbreiten sich Krankheiten auch in den Lebensräumen der schrumpfenden Wildpopulation.

Weil bei den gehaltenen Exemplaren oft keine Paarungen zustande kommen, füllen illegal gefangene Wildtiere den Bedarf wieder auf. Umgekehrt überlebt ein Salamander aus den Betrieben in der Natur nur schwer, da die Tiere häufig in ganz anderen Teiles des Landes gefangen wurden und nicht in die neue Umwelt passen. So passiert es, dass die massenhafte Zucht die Überlebenschancen der Spezies insgesamt letztlich schmälert.

Wilde Riesen in Bedrängnis

In den letzten drei Generationen ging der Bestand an Wildtieren in China um 80 Prozent zurück. Damit fällt der Chinesische Riesensalamander in die Kategorie "stark gefährdet" der Roten Liste der IUCN, worauf nur noch die Stufen "in der Natur ausgestorben" und "ausgestorben" folgen. Die IUCN sieht den illegalen Handel mit wilden Salamandern als Hauptgefährdung für den Bestand, aber auch ein immer knapperer Lebensraum macht den Schwanzlurchen zu schaffen.

Die Deklaration zur Delikatesse könnte dem Tier unter Umständen auch Vorteile bringen. Die Forscher sprechen sich nicht gegen die Farmen an sich aus, sondern gegen die Vermischung von Zuchtpopulation und Wildpopulation. Mit einer verbesserten Haltung und einem ambitionierteren Schutz der Salamander in freier Natur gäbe es kleine Fortschritte für das Überleben des größten Amphibiums der Welt. (red, derStandard.at, 15. 3. 2015)

  • In China wird der Riesensalamander langsam vom Wildtier zum Zuchttier.
    foto: ben tapley/zsl

    In China wird der Riesensalamander langsam vom Wildtier zum Zuchttier.

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