Sauber: Drei Fahrer, zwei Cockpits, ein Problem

12. März 2015, 11:41
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Rennstall muss van der Garde nach Urteil fahren lassen, bizarre Situation vor dem ersten Melbourne-Training nach abgelehntem Einspruch - Niemand weiß, wer am Freitag im Sauber-Rennauto sitzt

Melbourne - Der Formel-1-Rennstall Sauber ist nur wenige Stunden vor dem ersten Training in Australien mit einer Berufung gegen den gerichtlich erwirkten Start von Giedo van der Garde gescheitert. Die zuständigen Richter lehnten den Antrag am Donnerstag in Melbourne ab. Es war die dritte Niederlage des Privatteams in diesem Fall vor einem Gericht. Sauber ist damit in einem Riesen-Dilemma.

Denn der 29 Jahre alte van der Garde hatte im vergangenen Jahr mit Sauber eine Einigung erzielt, dass er in diesem Jahr vom Ersatz- zum Stammpiloten aufsteigt. Allerdings hat Sauber mit dem Schweden Marcus Ericsson und dem Brasilianer Felipe Nasr später zwei weitere Einsatzpiloten engagiert.

Nicht im Besitz der Superlizenz

Ob van der Garde nun im Auto Platz nehmen darf, war dennoch unsicher, weil er aktuell nicht im Besitz der erforderlichen Superlizenz war. Rennleiter Charlie Whiting bestätigte, dass dafür ein gültiger Vertrag vorliegen müsse. Und dann müsse das Team über den nationalen Verband die Lizenz bei der FIA beantragen. Whiting wollte am Donnerstag aber auch nicht ausschließen, dass van der Garde fahren wird.

Details zum weiteren Prozedere in dem bizarren Fall wollte der Internationale Automobilverband (FIA) nicht angeben. Auf einer Liste mit den Autos und Piloten für das Rennen am kommenden Sonntag (06.00 Uhr MEZ/ORF 1, RTL und Sky) tauchte der Name des Niederländers am Donnerstag nicht auf.

Ericsson und Nasr genannt

Dafür die Namen von Ericsson und Nasr. Die beiden waren von der österreichischen Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn am 28. November vergangenen Jahres an die FIA in einem Brief als Stammpiloten genannt worden. Weniger als 24 Stunden vor dem ersten Freien Training herrschte schlichtweg Rätselraten, wie es weitergeht. Van der Garde will sein Recht womöglich per Zwangsvollstreckung durchsetzen.

"Ein Riesenchaos", urteilte der ehemalige Sauber-Pilot Nico Hülkenberg. Die "schwierige Zeit für diesen Sport" könne nicht als Entschuldigung dafür herhalten, betonte der Deutsche vom Force-India-Team. Sein Landsmann Adrian Sutil war trotz gültigen Vertrags von Sauber ebenfalls vor dieser Saison ersetzt worden. Rechtliche Schritte des Deutschen zu einem späteren Zeitpunkt sind nicht auszuschließen.

Sauber hatte aus finanziellen Gründen zwei andere Fahrer für diese Saison verpflichtet, die mehr Sponsorengeld mitbringen. Nach einem Urteil in der Schweiz hatte am Mittwoch auch der Supreme Court Victoria die Startberechtigung van der Gardes bestätigt. Dagegen war Sauber in Berufung gegangen.

Gefahr van der Garde?

Das Team hatte im Rechtsstreit mit van der Garde argumentiert, dass die Einigung nicht mit dem Piloten selbst, sondern dessen Unternehmen erzielt worden sei. Zudem hatte der Anwalt des Teams einen Einsatz von van der Garde als gefährlich für den Niederländer und die Konkurrenz bezeichnet, weil er den neuen Wagen noch nie gefahren sei.

Dagegen regte sich Widerstand bei einigen Fahrern. "Mit dem Thema Sicherheit spielt man nicht", gab sich Jenson Button von McLaren kritisch gegenüber Sauber. "Wenn er fährt, ist das keine Sicherheitsfrage. Es ist unfair, das gegen ihn zu verwenden", erklärte Button.

Van der Garde hat bereits 19 Formel-1-Rennen (2013 für Caterham) absolviert und war im Vorjahr Ersatzfahrer bei Sauber. Er hat auch betont, er sei fitter denn je. (APA, 12.3.2015)

  • Sauber hat lieber Nasr und damit die "Banco do Brasil", als Giedo van der Garde im Cockpit.
    foto: apa/ap/morenatti

    Sauber hat lieber Nasr und damit die "Banco do Brasil", als Giedo van der Garde im Cockpit.

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