Der schwimmende Stahlgigant

16. März 2015, 09:00
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Die MSC Oscar ist der neue Star unter den Megaschiffen. Sie kann auf einer Länge von 395 Metern und einer Breite von 59 Metern - das entspricht der Fläche von vier Fußballfeldern - 19.224 Standardcontainer transportieren. Das ist Weltrekord

Wien - Der Panamakanal wäre, selbst nach seinem geplanten Ausbau 2016, zu eng für dieses gigantische Containerschiff, die MSC Oscar, die heuer am 8. Jänner vom Stapel lief: 395,4 Meter ist sie lang, 59 Meter breit, das entspricht einer Fläche von vier Fußballfeldern. Ihr Tiefgang beträgt 16 Meter. Nur zum Vergleich: Die Titanic war 269 Meter lang, ein Blauwal kommt auf 33 Meter.

117 Millionen Turnschuhe

Dabei ist die Länge gar nicht das ausschlaggebende Kriterium (die im November 2014 in Betrieb genommene CSCL Globe kommt sogar auf stolze 400 Meter), sondern das Platzangebot für sogenannte TEU (Twenty-foot Equivalent Unit), also Standardcontainer von rund sechs Metern Länge: 19.224 Stück davon haben auf der MSC Oscar Platz. Mehr als auf jedem anderen aktuellen Carrier. Die Globe kommt nämlich nur auf schlappe 19.100 Container. 39.000 Autos oder 117 Millionen Turnschuhe könnte der Stahlkoloss transportieren. Aneinandergereiht wäre die maximale Container-Beladung 116 Kilometer lang.

Gebaut wurde die MSC Oscar in der Werft der Daewoo Shipbuilding Company im südkoreanischen Busan. 45.000 Tonnen Stahl wurden dabei verbaut. Was, wie es in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung heißt, angesichts der Größe des Schiffes äußerst knapp bemessen ist: Würde man die MSC Oscar als ein Meter großes Modell detailgetreu nachbauen, wären weite Teile des Unterwasserschiffs so dünn wie Papier. In der Realität sei die stählerne Hülle an manchen Stellen bloß 25 Millimeter dick. Sie besteht aus einer Doppelwand mit einem komplexen, wabenartigen Geflecht aus Versteifungen - das verleiht der Konstruktion die nötige Stabilität.

Das Schiff, das dank ausgeklügtelter Autopilot-Technologie mit einer Besatzung von maximal 35 Mann auskommt, gehört zur Olympic-Baureihe der Reederei MSC (Mediterranean Shipping Company). Die ist die zweitgrößte Containerreederei der Welt mit Sitz in Genf. Das Unternehmen betreibt (Stand Jänner 2015) eine Flotte von 465 Containerschiffen mit einer Aufnahmekapazität von 2.439.000 TEU. An zwei weiteren Schiffen aus der Olympic-Familie wird gerade gebaut.

Nicht für alle Häfen geeignet

Vergangenen Samstag erreichte die MSC Oscar Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen, den JadeWeserPort. Er ist der einzige Hafen in Deutschland, den Schiffe unabhängig von Beladung, Tiefgang und Wasserstand anlaufen können. Der Riesenfrachter soll künftig im Abstand von zwei bis drei Monaten nach Wilhelmshaven kommen. Bisher blieb das Gemeinschaftsprojekt von Niedersachsen und Bremen seit der Eröffnung 2012 aber hinter den Erwartungen zurück. Neue Linien mit Mega-Carriern wie der Oscar sollen in diesem Jahr mehr Umschlag bringen. Um einen einzelnen Container zu entladen, braucht ein moderner Hafen übrigens gerade einmal eine Minute.

Prinzipiell kann der Frachter wegen seiner Größe nicht jeden Hafen anlaufen. In Nordamerika beispielsweise gibt es keinen einzigen Hafen, den das Schiff anlaufen könnte. Eingesetzt wird der Koloss daher im Liniendienst zwischen Asien und Europa.

Und so schippert das größte Containerschiff der Erde, das ausgeladen 60.000 Tonnen wiegt, mit einer Geschwindigkeit von knapp 23 Knoten, das sind rund 42 Kilometer pro Stunde, dahin. Dafür sorgt ein Dieselaggregat mit elf Zylindern und Turbolader. Auch der Motor hat riesige Ausmaße: Er ist 21 Meter lang, mehr als 15 Meter hoch und sagenhafte 80.000 PS stark. Es dauert 26 Minuten, bis dieser das vollbeladene Frachtschiff auf Betriebsgeschwindigkeit bringt.

Das Aggregat verbrennt bei der genannten Geschwindigkeit von 23 Knoten zwischen 220 und 250 Tonnen Dieseltreibstoff - pro Tag. Das hört sich gewaltig an. Allerdings, so die Kollegen von der Süddeutschen, schafft das Schiff pro Tag tausend Kilometer, woraus sich ein Gesamtverbrauch von circa 28.000 Litern pro hundert Kilometer ergibt.

Runtergebrochen auf den einzelnen Container liegt der Verbrauch demnach bei weniger als 1,5 Litern pro hundert Kilometer Wegstrecke. Conclusio: Jeder Lastwagen würde ein Vielfaches davon verbrauchen. (Markus Böhm, DER STANDARD, 11.3.2015)

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