Verbund kappt Dividende an Republik

11. März 2015, 18:13
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Weil der Gewinn eingebrochen ist, lässt der Verbund, bisher zuverlässiger Dividendenlieferant für den Staat heuer stark aus

Wien - 169 Millionen Euro hat Ex-Finanzminister Michael Spindelegger an Dividendeneinnahmen vom Verbund für das heurige Budget eingestellt. Spindelegger ist als Finanzminister Geschichte, und auch mit der Hoffnung auf eine üppige Gewinnbeteiligung ist es vorbei. Statt gut 175 Mio. Euro, die die 51-Prozent-Beteiligung der Republik an Österreichs größtem Stromerzeuger im Vorjahr brachte, werden heuer nur etwas mehr als 50 Mio. Euro an Verbund-Dividende in den Staatssäckel fließen.

Grund sind die Verwerfungen auf dem europäischen Strommarkt. Durch ein Überangebot an elektrischer Energie insbesondere an sonnigen, windreichen Tagen sind die Strompreise auf dem Großhandelsmarkt noch tiefer in den Keller gefallen. "Allein die Preiserosion von 2013 auf 2014 um etwa zehn Euro je Megawattstunde (MWh) hat uns 270 bis 280 Mio. Euro an Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände; Anm.) gekostet", sagte Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber bei der Bilanzpräsentation am Mittwoch.

Aktionäre im Wort

Dazu käme die Wasserführung, die zwar um zwei Prozentpunkte über dem langjährigen Schnitt gelegen sei, aber nicht annähernd an den sehr guten Wert von 2013 heranreichte. Unterm Strich habe der bereinigte Gewinn 216 Mio. Euro betragen (minus 44 Prozent; siehe Grafik). Etwa die Hälfte davon wird als Dividende ausgeschüttet. Dividiert ergibt das 29 Cent je Aktie - nach einem Euro inklusive Bonus von 45 Cent für 2013.

Im Nachhinein sei man immer schlauer. Wenn man die Bonuszahlung im Vorjahr hätte bleiben lassen, verfügte man nun über mehr Geld in der Kasse, sagte Anzengruber.

Sondereffekte

Andererseits sei man den Aktionären im Wort gewesen, sie an den Sondereffekten - Stichwort Abtausch der Türkei-Aktivitäten gegen Innkraftwerke der deutschen Eon - teilhaben zu lassen. "In so einer Sache kann man nur wortbrüchig werden, wenn es um das Überleben des Unternehmens geht. Das ist bei uns ja nicht der Fall. Verbund steht im europäischen Branchenvergleich sehr gut da", sagte Anzengruber.

Der Verbund-Generaldirektor und dessen Finanzchef Peter Kollmann dämpften Erwartungen auf eine baldige Besserung. Die Situation an der Preisfront bleibe zumindest die nächsten zwei, drei Jahre angespannt. Heuer rechnet das Unternehmen mit einem nochmals niedrigeren Konzernergebnis von voraussichtlich 180 Millionen Euro und einem Ebitda von rund 770 Millionen Euro.

Kostensenkungen

Das laufende Kostensenkungsprogramm trage Früchte, statt geplanter 130 Millionen Euro habe man im Vorjahr 165 Millionen eingespart. Dazu gehören auch 250 Arbeitsplätze - großteils durch Nichtnachbesetzen natürlicher Abgänge. Der Aufnahmestopp bleibt aufrecht, heuer sollen weitere 250 Stellen wegfallen.

Weggefallen ist auch das Auslandsgeschäft als eigene Unternehmenseinheit, nachdem von dem umfangreichen Portfolio nur mehr Albanien (zwei Wasserkraftwerke mit EVN), Rumänien (ein Windpark am Schwarzen Meer) und Deutschland (knapp zwei Dutzend Wasserkraftwerke, ein Windpark und Handelsgeschäft) übrig geblieben sind.

Für das Steinkohlekraftwerk in Dürnrohr läuft der Countdown. Ende April wird zugesperrt. (stro, DER STANDARD, 12.3.2015)

  • Ein Block des Steinkohlekraftwerks Dürnrohr wird Ende April mangels Wirtschaftlichkeit dichtgemacht.
    APA/Pfarrhofer

    Ein Block des Steinkohlekraftwerks Dürnrohr wird Ende April mangels Wirtschaftlichkeit dichtgemacht.

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