Ferienwohnungen: Diskretion am Berg

Kommentar11. März 2015, 17:44
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Einheimische können sich Grund oder Wohnung in ihrem Dorf nicht mehr leisten

Schön hat er gesungen, der Herr Carreras in Lech. Ermöglicht hat den Auftritt im Vorarlberger Gebirge Herr Dr. Sommer - durch seine "namhafte finanzielle Unterstützung". Das Engagement des deutschen Managers Ron Sommer wird in einem Ferienwohnungsbescheid der Gemeinde Lech lobend erwähnt. Der internationale Topmanager lade immer wieder Meinungsbildner und Entscheidungsträger nach Lech ein, das erhöhe den Bekanntheitsgrad von Lech. Kein Wunder, dass der Bescheid positiv ausgefallen ist.

Die Liste der prominenten Werbeträger für den Wintersportort ließe sich beliebig fortsetzen. Auch Siegfried Wolf - er sponsert mit Russian Machines ein Festival - empfängt in seinem Haus Rockspitz prominente Gäste. Wolf residiert in einer ehemaligen Pension und muss dort auch gewerblich vermieten. 364 Nächtigungen meldete er für das Vorjahr. Ziemlich mau, meinen seine Profikollegen aus der Beherbergungsbranche.

Sommer, Wolf und Co hat ein Gummiparagraf im Vorarlberger Raumplanungsgesetz, gepaart mit der Willfährigkeit des Gemeindevorstands, zu einem Zweitwohnsitz verholfen. Die fatalen Folgen: Lecher können sich Grund oder Wohnung in ihrem Dorf nicht mehr leisten. Das Vertrauen in die Gemeindepolitik ist weg, denn alle Genehmigungen wurden im kleinen Kreis ausgeschnapst. Diskretion sticht Transparenz und damit auch Demokratie. (Jutta Berger, DER STANDARD, 12.3.2015)

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