AKH-Betriebsrat: "Wir lassen's die Politik wissen"

11. März 2015, 17:38
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An Wiens AKH wird immer noch die Ärztearbeitszeit verhandelt, im Rathaus zumindest offiziell nicht

Wien - Die via Live-Übertragung zugeschalteten Kollegen von der Innsbrucker Universitätsklinik hatten längst mit ihren Beratungen über das neue Ärztearbeitszeitgesetz begonnen, da füllten sich in Wien immer noch die Hörsaalreihen. Mehrere Hundert Ärzte versammelten sich an diesem Mittwochmorgen wieder am Wiener AKH, die Ambulanzen wurden nur für dringende Fälle geöffnet, planbare Operationen und Untersuchungen verschoben - eine Art "Notbetrieb", Wochenendmodus mitten unter der Woche.

Wiener Baustellen

Betriebsrat Martin Andreas nutzte Tag zwei nach der vergeigten Urabstimmung im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), bei der 87 Prozent der Ärzte gegen die von Stadt Wien, KAV und Ärztevertretern erzielte neue Dienst- und Gehaltsregelung gestimmt hatten, zur Abgrenzung. Bei den Wiener Gemeindespitälern sei man "fulminant gescheitert", dort herrsche "immer noch Baustelle". Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) lädt denn auch am Donnerstagabend Gewerkschafts- und Ärztevertreter ins Rathaus - freilich nicht zur Verhandlungsrunde - offiziell jedenfalls.

Rektorat besserte nach

Doch, auch im AKH: Verhandeln, vermitteln, erklären, verhandeln. Erst am Dienstag besserte das Rektorat in Sachen Gehalt nach: Ab 2016 soll es demnach um 20 Prozent, ab 2019 um weitere zehn Prozent mehr Geld geben. Das Problem (oder besser, ein Problem von vielen): Für das laufende Jahr hat man sich gehaltstechnisch nichts einfallen lassen.

Den anwesenden Ärzten brannten auch andere Fragen unter den Nägeln. Gleich mehrere wollten wissen, wie schnell sie bei einer Umsetzung der geplanten Rufbereitschaft künftig vor Ort sein müssen. Ein Mediziner erntete mit der Wortmeldung Applaus, dass der Schichtdienst "ja nur junktimiert sein kann mit deutlichem Personalzuwachs, sonst wird man untertags hier nämlich niemanden mehr sehen". Betriebsrat Andreas animierte zur Beteiligung: "Lassen Sie's uns wissen, wir lassen's die Politik wissen." Gelegenheit dazu gibt es am Montag bei der nächsten Verhandlungsrunde mit dem Rektorat wieder. Eine Urabstimmung ist im AKH nicht zwingend vorgesehen. (riss, DER STANDARD, 12.3.2015)

WISSEN

Wer zahlt was im AKH

Im Streit um die Implementierung des neuen Ärztearbeitszeitgesetzes am Wiener Allgemeinen Krankenhaus fällt immer wieder ein Stichwort: Der "mitverantwortliche Tätigkeitsbereich". Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Im Kern geht es den Ärzten darum, dass einfache ärztliche Tätigkeiten wie Infusionenlegen oder Blutdruckmessen künftig vom Pflegepersonal erledigt werden.

Wenn Rektorat wie Betriebsrat sich verbal in den "mitverantwortlichen Tätigkeitsbereich" verbeißen, hat das natürlich auch einen finanziellen Hintergrund. Denn das AKH ist mit seinen rund 2200 Betten nicht nur die größte Krankenanstalt des Landes, es ist sozusagen auch zwei in einem: öffentliche Zentralkrankenanstalt mit Versorgungsauftrag für die Bevölkerung Wiens und Universitätsklinikum, das am wissenschaftlichen Output gemessen wird.

Personell ergibt sich für die Angestellten des AKH folgende Zuständigkeit: Die Universität, sprich der Bund, stellt das gesamte ärztliche Personal zur Verfügung, das Pflege- und Erhaltungspersonal wird hingegen von der Stadt Wien bezahlt. Diese Konstellation sorgt seit ihrem Bestehen für Diskussionen über die im AKH zu erbringenden Leistungen. Der Rechnungshof regt seit Jahren eine gemeinsame Leistungs-und Personalplanung an. Eine solche gemeinsame Betriebsführung wurde auch für 2015 angekündigt, lässt allerdings bisher noch auf sich warten. (red)

  • Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung: AKH-Betriebsrat Martin Andreas gefällt sich als Mittler zwischen Belegschaft und Politik.
    foto: matthias cremer

    Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung: AKH-Betriebsrat Martin Andreas gefällt sich als Mittler zwischen Belegschaft und Politik.

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