Iranischer Expertenrat: Unentschieden

Kommentar11. März 2015, 17:30
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Der konservative Mohammed Yazdi ist der typische Übergangskandidat

Im Iran neigen die Optimisten zurzeit dazu, ihre Wünsche als Gewissheiten zu formulieren: Die Wahl des Vorsitzenden der mächtigen Expertenversammlung, die über die Arbeit des religiösen Führers wacht und den Nachfolger von Ali Khamenei bestimmen wird, werde zwischen Ali Akbar Hashemi Rafsanjani und Mahmud Hashemi Shahrudi entschieden werden - beide Pragmatiker, die Präsident Hassan Rohani nahestehen. So hieß es. Und dann gewann der konservative Mohammed Yazdi die Wahl.

Als Expräsident Rafsanjani 2011 die Leitung des Expertenrats abgab, wurde das als Zeichen seines schwindenden Einflusses gedeutet: 2005 hatte er die Präsidentschaftswahl gegen Mahmud Ahmadi-Nejad verloren, 2009 hatte er sich nicht deutlich genug von den Protesten gegen dessen Wiederwahl distanziert. 2013 wollte er wieder antreten, wurde aber wegen seines Alters nicht zugelassen.

Rafsanjani hat jüngst gegen die iranischen Gegner eines Atomdeals gewettert und diese - in einer paradoxen Spiegelung der US-Situation - als Verbündete Israels bezeichnet. Damit hat er sich wohl wieder übernommen: Alles in der iranischen Politik ist im Moment auf "Unentschieden" ausgerichtet, auch beim Expertenrat darf der Zeiger nicht in eine bestimmte Richtung ausschlagen. Yazdi ist der typische Übergangskandidat.

Aber die Entscheidung wird kommen, die Spekulationen über Khameneis Gesundheitszustand reißen nicht ab. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 12.3.2015)

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