Saudisch-schwedischer Konflikt spitzt sich zu

11. März 2015, 17:16
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Botschafter aus Riad abgezogen

Riad/Stockholm/Brüssel - Die diplomatische Krise zwischen Schweden und Saudi Arabien verschärft sich weiter. Das Außenministerium in Stockholm bestätigte am Mittwoch, dass die Regierung in Riad ihren Botschafter aus Schweden abzieht. Zuvor hatte Stockholm angekündigt, ein Waffenlieferungsabkommen mit Saudi-Arabien nicht neu auszuhandeln. Grund ist ein Redeverbot für Schwedens Außenministerin Margot Wallström bei einem Treffen der Arabischen Liga.

Wallström war am Montag als Ehrengast zu der Zusammenkunft in Kairo eingeladen worden, weil ihre Regierung im Oktober Palästina anerkannt hatte. Die Ministerin wirft Saudi Arabien vor, ihre Eröffnungsrede dort verhindert zu haben, und bezeichnet dies als "Schande". Sie sei darauf hingewiesen worden, dass Schweden zuvor die Lage der Demokratie und Menschenrechte in Saudi Arabien thematisiert habe. Wallström hatte im Jänner die Verurteilung des Bloggers Raif Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben wegen Beleidigung des Islam kritisiert. Ein arabischer Diplomat bestätigte indes, dass Riad hinter der Absage der Rede stand.

Die Minister der Arabischen Liga stellten sich hinter die Saudis, die EU hingegen verurteilte die Intervention Riads. Außenbeauftragte Federica Mogherini werde jedoch mit beiden Seiten sprechen, um "diese Situation zu verstehen", hieß es in Brüssel.

Probleme auch mit Israel

Wegen der Anerkennung Palästinas im vergangenen Oktober hatte sich Stockholm erst vor Kurzem Probleme mit Israel eingehandelt. Tel Aviv hatte seinen Botschafter vorübergehend zurückbeordert, Wallström eine für Jänner geplante Reise nach Israel auf unbestimmte Zeit verschoben. Israelischen Medien zufolge hatte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman ein Treffen mit Wallström abgelehnt. (red, DER STANDARD, 12.3.2015)

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