Bunyonyi in Uganda: Der See, in dem sich dunkle Vergangenheit spiegelt

23. März 2015, 12:49
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Der Bunyonyi gilt als einer der schönsten See der Welt. Die meisten haben wahrscheinlich noch nicht einmal von ihm gehört. Hinter all der Schönheit steckt aber auch eine traurige Geschichte.

Es dämmert und überall singen die Vögel. Sie singen so laut, dass die Ruder der Fischer, die frühmorgens in ihren Kanus über das ruhige Wasser gleiten, kaum zu hören sind. Das ist auch der Weckruf für die vielen Besucher des Bunyonyi-Sees. Der 25 Kilometer lange Süßwassersee, der mit kleinen Inseln gesprenkelt ist, liegt im Südwesten Ugandas, ungefähr 460 Kilometer von der Hauptstadt Kampala entfernt. Er ist der zweittiefste See Afrikas, wobei Angaben zur maximalen Tiefe deutlich schwanken.

Blick auf den Bunyonyi-See mit seinen vielen kleinen Inseln.

In einem Land, auf dessen baufälligen Straßen es mehr Schlaglöcher gibt als gut befahrbare Abschnitte, erscheint einem der Weg von der Hauptstadt zum See erstaunlich angenehm. Auch wenn er etwas langwierig ist. Immerhin führt die achtstündige Fahrt auf der Mbararastraße meist über Asphalt.

Während der Anreise hält man am besten für ein Essen bei einem der typischen Straßenstände. Eine Spezialität in Uganda ist ein Eiomelette, gefüllt mit Tomaten und Kraut, das in ein frisch frittiertes Fladenbrot eingewickelt wird. Imbissstände verteilt im ganzen Land verkaufen die Spezialität für 1.500 Uganda-Schilling, umgerechnet 0,46 Euro.

Ein typischer Imbissstand in Uganda. Hier werden Chapatis verkauft.

Touristen, die über das nahe gelegene Kabale am Ostufer des Sees ankommen, können entweder für rund sechs Euro eine einfache Motorbootfahrt unternehmen, oder für rund 2 Euro 60 ein spezielles Einbaum-Kanu mieten. Wer die Fahrt mit dem Einbaum wählt, sollte sich auf Rückenschmerzen einstellen. Außerdem ist man, auch wenn die Hitze am Bunyonyi-See erträglicher ist als in tiefer gelegenen Regionen Ugandas, für etwa eine Stunde der prallen Sonne ausgesetzt.

Einheimische überqueren den See in einem Einbaum.

Die Fahrt über den See ist eine der friedvollsten Erfahrungen, die der Südosten Ugandas zu bieten hat. Die grünen Hügel rund um den See spiegeln sich im stillen Wasser. Schwarzweiß gescheckte Eisvögel tanzen zwischen vielen anderen Vogelarten unter smaragdgrünen Bäumen, während Otter im Wasser spielen.

In der Byoona Amagara-Anlage findet man preiswerte einfache, aber komfortable Hütten. Für mehr Luxus bucht man am besten im Lake Bunyonyi Overland Resort. Natürlich sind diese Unterkünfte etwas teurer.

Ein großer Teil der Küste entlang des Sees und weite Teile der darin schwimmenden 29 Inseln werden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Ohne Zweifel hat das Einfluss auf die tiefgrüne Vegetation der Umgebung. Die Hügel, die den See an dessen Ufern einrahmen, bieten atemberaubende Ausblicke.

Ausgesetzt auf einer Insel

So wie viele Regionen, des heute in meisten Teilen friedlichen Ugandas, hat auch die Schönheit des Bunyoni-Sees eine dunkle Vergangenheit. Die Insel Akampene im Zentrum des Sees ist gerade groß genug für den einsamen Baum, der dort wächst. Die kleine Erhebung aus Schlamm und Gras ist besser bekannt unter dem Namen "Punishment Island" - "Insel der Bestrafung". Ihren Namen hat sie bekommen, weil dort unverheiratete Frauen - nachdem sie zur Abtreibung gezwungen wurden - ausgesetzt wurden, um dort einen langsamen, qualvollen Tod zu erleiden.

Die Insel Akampene mit ihrem kleinen Baum, besser bekannt als "Punishment Island".

Die ausgesetzten Frauen, meistens konnten sie nicht schwimmen, hatten oft nur eine einzige Möglichkeit vor dort wieder wegzukommen: Männer, die kein Brautgeld bezahlen konnten, ruderten oft zu dieser Insel und beanspruchten eine der ausgesetzten Frauen für sich.

Diese menschenverachtende Strafe für unverheiratet schwanger gewordene Frauen wurde angeblich noch bis ins Jahr 1986 verhängt. Erst als Yoweri Museveni in diesem Jahr neuer Präsident Ugandas wurde, hab man den Brauch gesetzlich verboten, erzählt ein einheimischer Reiseführer, der sich selbst Tyson nennt. Anderen Berichten zufolge wurde diese Praxis schon früher im 20. Jahrhundert gestoppt. "Punishment Island ist unter allen meine Lieblingsinsel. Dort lernten sich mein Großvater und meine Großmutter kennen", erzählt Tyson. "Ohne die Insel gäbe es mich nicht." (Reuters, jw, derStandard.at, 23.03.2015)

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