Weissenberger: Medien müssten ihre Interessen offenlegen

11. März 2015, 15:37
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"Lügenpresse"-Debatte: Transparenz ist für Medien die neue Objektivität - Grundsätzlicher Zweifel an allen Institutionen betrifft auch Journalismus

Wien - Der Vertrauensverlust in die Medien und die sinkende Glaubwürdigkeit von Journalisten standen am Mittwoch im Mittelpunkt einer Diskussion von APA-OTS-Connect. "Das Versprechen der Medien war über lange Zeit, dass sie die Wahrheit kennen und objektiv sind. Jetzt kapieren immer mehr Leute, dass das gar nicht möglich ist", sagte "News"-Chefredakteurin Eva Weissenberger.

Die Medien hätten angesichts dieser Entwicklung nur eine Möglichkeit: Transparenz. "Transparenz ist die neue Objektivität", so Weissenberger. "Wir müssen aufhören, so zu tun, als hätten wir die Wahrheit gepachtet. Wir müssen für die Offenlegung der Interessen sorgen."

ORF-Fernsehchefredakteur Fritz Dittlbacher führte die Entwicklung, die durch die laufende Digitalisierung noch verstärkt wird, unter anderem auf die Unsicherheiten wegen der verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Krisen zurück. Das Unwort von der "Lügenpresse" stehe für einen "grundsätzlichen Zweifel an allen Institutionen - Wir haben uns lange in unserer Rolle als Vierte Gewalt und als die Guten gesuhlt. Nun gibt es eine negative Stimmung gegen die da oben, und Journalisten zählen auch zu denen da oben", so Dittlbacher.

NZZ.at-Chefredakteur Michael Fleischhacker gab zu bedenken, dass etliche österreichische Medien einen Vertrauensverlust auch ganz bewusst in Kauf genommen hätten. "Der Vorwurf, dass die österreichischen Medien nur einen eingeschränkten Teil der österreichischen Realität abbildet, den Teil, den die Mächtigen in Politik und Wirtschaft gerne abgebildet sehen, ist ein zutreffender Vorwurf." Der Vertrauensverlust in die Medien sei demnach "zurecht eingetreten", so Fleischhacker. (APA, 11.3.2015)

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