Einsparungspotenzial durch Generika

11. März 2015, 13:52
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Wenn bei Volkskrankheiten Originalpräparate durch Generika ersetzt werden, spart man 72 Millionen - ergibt eine Studie im Auftrag des der Hauptverband

Der Ersatz von Originalpräparaten durch Nachahmemedikamente (Generika) kann bei häufigen chronischen Erkrankung ein deutliches Einsparungspotenzial bringen.

Es dürfte in Österreich maximal bei knapp 20 Prozent liegen, teilte die MedUni Wien zu einer Studie des Zentrums für Medizinische Statistik in Kooperation mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger mit.

Die Untersuchung am Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente System (CeMSIIS) hat das Einsparungspotenzial durch Generika bei der medikamentösen Behandlung der häufigen Erkrankungen Bluthochdruck, Hyperlipidämie (zu hohe Blutfettwerte) und Diabetes mellitus ausgerechnet. Die möglichen jährlichen finanziellen Einsparungen der Krankenversicherungen lägen dabei bei 18 Prozent.

Volkskrankheiten im Visier

Für die Studie wurden österreichweit die Daten von 8,3 Millionen Personen (das sind 98,5 Prozent der gesamten versicherten Bevölkerung Österreichs) der Jahre 2009 bis 2012 analysiert. Dabei wurden drei Medikamentengruppen für in der Bevölkerung weitverbreitete Krankheiten herangezogen: Mittel gegen Bluthochdruck, gegen Hyperlipidämie und gegen Diabetes mellitus (orale Antidiabetika).

Im Jahr 2012 gaben Krankenversicherungen 231,3 Millionen Euro, 77,8 Millionen Euro bzw. 91,9 Millionen Euro für antihypertensive, lipidsenkende und Diabetes-behandelnde Medikamente aus. "Die Berechnungen ergaben, dass der Ersatz der Medikamente durch billigere Generika (gleicher Wirkstoff, gleiche Dosierung) am Markt 52,2 Millionen (22,6 Prozent), 15,9 Millionen (20,5 Prozent) bzw. 4,1 Millionen Euro (4,5 Prozent) an Kosten gespart hätte", so die MedUni Wien, woraus sich ein Potenzial von 18 Prozent ergebe.

Der Vergleich mit den Vorjahren, rückblickend bis 2009, zeigte eine noch weiter aufklaffende Schere des Einsparungspotenzials. Lag das Sparpotenzial bei antihypertensiven Mitteln im Jahr 2009 bei 15,2 Prozent, so waren es 2012 bereits 22,6 Prozent. Lipid-senkende Mittel hatten 2009 ein Einsparungspotenzial von 9,2 Prozent, im Jahr 2012 sogar schon 20,5 Prozent. Nur bei Diabetesmedikamenten ging das Potenzial von 5,6 Prozent auf 4,4 Prozent zurück.

Sparpotenzial in Diskussion

"Diese Studie zeigt, dass ein Ersatz von hochpreisigen Medikamenten für häufige Leiden wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes mellitus durch die billigsten am Markt befindlichen Medikamente mit identischem Wirkstoff und gleich guter Wirkung den heimischen Krankenkassen jährliche Einsparungen von bis zu 72 Millionen Euro bringen könnte", erklärte Georg Heinze vom Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme (CeMSIIS) der MedUni Wien.

Die Studie zeigt aber vor allem das Sparpotenzial an. Nicht immer kann in der täglichen Praxis eine Umstellung von Originalpräparaten auf Generika erfolgen.

Theoretische Untersuchungen decken sich bei weitem nicht vollständig mit der Realität in der niedergelassenen Praxis von Ärzten. Die Arzneimittelausgaben der österreichischen Krankenkassen zeigten in den vergangenen Jahren zumeist nur ein geringfügiges Wachstum, zum Teil unter der Inflationsrate.

Schlechter Ruf

Vergangenes Jahr beschleunigte sich dieses Wachstum in den Apotheken auf 4,7 Prozent. Experten wiesen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass das Generika-Potenzial wohl bereits weitgehend ausgeschöpft sei.

Ein schlechtes Licht auf Generika hat vor kurzem eine Schlagzeilen machende Affäre über verfälschte bzw. unvollständige Bioäquivalenzstudien für Generika-Hersteller durch indische Vertragspartner geworfen.

Davon waren in Europa Dutzende Präparate betroffen. In Deutschland wurde deshalb beispielsweise gar der Verkauf von 80 Generika vorübergehend gestoppt. Interessant wären solche Studien jedenfalls auch für die österreichischen Spitäler. Viele Originalpräparate werden nämlich zu einem überdurchschnittlichen Anteil in den Krankenhäusern verordnet. (APA, derStandard.at, 11.3.2015)

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