Austrotürke bei der FPÖ: "Finde 'Daham statt Islam' nicht in Ordnung"

Interview12. März 2015, 07:00
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Im Vorarlberger Lustenau tritt der türkischstämmige Kandidat Hasan Sükün für die Freiheitlichen an

Im Vorarlberger Lustenau treten drei türkischstämmige Kandidaten für die Freiheitlichen bei der Gemeindewahl am 15. März an. Der parteifreie Stickereiunternehmer Hasan Sükün kandidiert an zwölfter Stelle, derzeit hält die Liste "Ernst Hagen, FPÖ und Parteifreie" bei elf Sitzen in der Gemeindevertretung. Wie er zu antimuslimischen Slogans steht und warum er vor der Wahl nicht sagen will, welche politischen Positionen er vertritt, erklärt er im Gespräch mit derStandard.at.

derStandard.at: Herr Sükün, wie würden Sie sich politisch einordnen, eher links oder rechts?

Hasan Sükün: In der Mitte: Ich bin der Meinung, dass wir mit Kommunizieren vieles richten können.

derStandard.at: Was sollte man denn richten?

Sükün: Wie soll ich sagen: Kurz vor den Wahlen will ich das nicht erwähnen. Wir haben ein tolles Team, wir sind gut unterwegs. Und wir machen ja keine Bundespolitik, sondern Gemeindepolitik. Dadurch, dass ich seit 40 Jahren in Lustenau bin, sehe ich kein Problem.

derStandard.at: Was möchten Sie auf Gemeindeebene verbessern?

Sükün: Wie schon gesagt: Das möchte ich jetzt nicht erwähnen. Erst nach der Wahl.

derStandard.at: Warum nicht? Die Wähler möchten doch gerne wissen, was Sie sich von Ihnen erwarten dürfen.

Sükün: Wir werden ja sehr wahrscheinlich in einem Ausschuss tätig sein. Fakt ist: Was können wir verbessern? Darum will ich es kurz vor der Wahl nicht erwähnen, damit es nicht an die große Glocke gehängt wird. Aber die, die mich kennen, wissen, wie ich mich engagieren werde.

derStandard.at: Aber die, die Sie nicht kennen, wissen es nicht. Warum es ihnen nicht sagen?

Sükün: Ich will nicht, dass es eine Art Werbung für die anderen Parteien ist.

derStandard.at: Weil Ihre Forderungen jenen der anderen Parteien gleichen?

Sükün: Muss nicht sein. Es sind gewisse Projekte am Laufen – und wir werden es ja sehen.

derStandard.at: Welche Projekte? Klingt interessant.

Sükün: Klingt interessant, ja, aber wie gesagt, ich möchte es nicht erwähnen. Die Leute, die mich kennen, werden mich sicher wählen.

derStandard.at: Und warum werden sie Sie wählen?

Sükün: Warum – gute Frage. Das ganze Team, wir wollen das Bestmögliche erzielen, erfolgreich im Geschäftsleben, die Verwandtenkreise.

derStandard.at: Warum kandidieren Sie für die FPÖ und keine andere Partei?

Sükün: Weil wir ein tolles Team haben. Dadurch bin ich der Meinung, dass wir etwas bewegen können.

derStandard.at: Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Sükün: Ja. Jeder wird seinen Glauben haben, ja.

derStandard.at: Und Sie?

Sükün: Mein Glaube ist der Islam.

derStandard.at: Wie geht es Ihnen mit Sprüchen wie "Daham statt Islam" und "Moschee ade"?

Sükün: Das ist Bundespolitik. Ich rede nicht über Bundespolitik. Unser Ziel ist, dass wir in Lustenau sehr gut zusammenarbeiten können, weil wir kommunizieren können. Und solche Probleme haben wir in Lustenau nicht.

derStandard.at: Man muss aber gar nicht nach Wien schauen – auch der Vorarlberger FPÖ-Chef Dieter Egger behauptete im letzten Wahlkampf, die "österreichischen" Familien würden aussterben, weil sich die "türkischen" Familien so rasant vermehrten. Warum unterstützen Sie solche Aussagen durch Ihre Kandidatur?

Sükün: Wenn man hier lebt, soll man auch die Sprache gut lernen. Es soll keine Auseinandersetzungen geben miteinander, durchs Kommunizieren können wir viel erreichen.

derStandard.at: Inwiefern hat sich die FPÖ denn als guter Kommunikationspartner mit türkischstämmigen Vorarlbergern erwiesen?

Sükün: Also hier in Lustenau schon.

derStandard.at: Können Sie ein Beispiel nennen, wo sich die FPÖ Lustenau öffentlich von der Islamhetze der Landes-FPÖ distanziert hat?

Sükün: Im Jahr 2002 haben wir in Lustenau einen Riesenerfolg gehabt mit Lustenauer Bürgern und türkischstämmigen Bürgern und haben ein Riesenfest bei der Fußball-WM gehabt. Da gab es keine Probleme. Auch bei der Wohnungsverteilung gibt es keine Probleme.

derStandard.at: Angenommen, Heinz-Christian Strache kommt nach Lustenau und sagt wieder einmal, dass der Islam nicht zu Österreich gehört. Was antworten Sie ihm?

Sükün: Wir werden uns überraschen lassen, aber ich glaube nicht, dass so etwas erwähnt wird hier in Lustenau.

derStandard.at: Was halten Sie vom Islamgesetz? Das Gesetz betrifft ja auch kleine Vereine auf dem Land.

Sükün: Dazu will ich mich nicht äußern, da will ich mich hundertprozentig informieren, bevor ich etwas sage.

derStandard.at: Wie beurteilen Sie die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan?

Sükün: Sie hat ihre guten und ihre schlechten Seiten. Von der Infrastruktur her hat sich viel verändert. Politisch gesehen auch. Es gibt sicher Sachen, die gibt es überall, wo man es als gut und als schlecht betrachtet.

derStandard.at: Ich frage Sie deshalb, weil Sie auf Facebook eine Erdogan-Fanseite liken. Warum eigentlich?

Sükün: Es gibt gute und schlechte Seiten. Dass ich ein hundertprozentiger Fan wäre, würde ich nicht sagen. Aber man kann ja sagen: Das und das ist in Ordnung.

derStandard.at: Ende März lädt Strache Geert Wilders nach Wien ein, der wird dort über die Islamisierung Europas sprechen und sich als "Beschützer der Juden vor den Islamisten" gerieren. Was sollte die FPÖ Vorarlberg tun, um die Juden vor Übergriffen zu schützen?

Sükün: Da möchte ich mich nicht äußern.

derStandard.at: Warum sind Sie eigentlich nicht FPÖ-Mitglied?

Sükün: Es kann sein, dass ich später noch Mitglied werde.

derStandard.at: Was halten Sie persönlich vom Slogan "Daham statt Islam"?

Sükün: Persönlich finde ich ihn nicht in Ordnung. Aber man kann ja mit Reden, mit Kommunizieren vieles erreichen. (Maria Sterkl, derStandard.at, 11.3.2015)

Hasan Sükün (40) ist in Lustenau geboren und aufgewachsen. Der gelernte Automechaniker gründete 1999 ein Stickereiunternehmen, das heute laut eigenen Angaben 28 Angestellte beschäftigt. Sükün ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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