Libyen: Ölfeld des entführten Österreichers sollte evakuiert werden

11. März 2015, 15:00
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Der Abzug der Mitarbeiter von der Al-Ghani-Anlage war bereits angeordnet, als die IS-Miliz sie überfiel

Linz/Tripolis - Neun Mitarbeiter des maltesisch-österreichische Unternehmens Value Added Oilfield Services (VAOS) sind am vergangenen Freitag vom Al-Ghani-Ölfeld in Libyen entführt worden – offenbar kurz bevor sie evakuiert werden sollten. Darunter befanden sich ein Österreicher, ein Tscheche, ein Ghanaer, zwei Bangladescher und vier Philippiner, wie die VAOS-Geschäftsführer Johann Tomek und Christian Wintersteiger am Mittwoch mitteilten.

Die Identität der Entführten werde nicht preisgegeben, um sie keinem noch größeren Risiko auszusetzen und den Angehörigen Schmerz zu ersparen, hieß es. Die Firma wollte demnach am vergangenen Freitag zwei von ihr in Libyen betriebene Ölfelder evakuieren. Während 51 ausländische Mitarbeiter in Zella südwestlich von al-Ghani in Sicherheit gebracht werden konnten, wurde das Team in al-Ghani, darunter der Linzer Dalibor S., vor seiner Abreise von bewaffneten Milizionären eingekreist und entführt. Fünf Männer seien in das Camp gekommen und hätten die Anwesenden versammelt, bevor sie auf Fahrzeuge geladen und abtransportiert wurden, hieß es. Dabei sei kein VAOS-Mitarbeiter verletzt worden, betonte das Unternehmen.

"Wer blieb, tat dies freiwillig"

VAOS habe seinen Beschäftigten stets versichert, dass sie das Recht hätten, jederzeit nach Hause zu reisen, erklärten die Geschäftsführer. Die Mitarbeiter hätten schriftlich bestätigt, ob sie abreisen oder weiterarbeiten möchten. "Wer blieb, tat dies freiwillig." Bereits im Februar war die Belegschaft in al-Ghani wegen der unsicheren Produktion und des Sicherheitsrisikos von 62 auf 14 Personen mit elf Ausländern und drei Einheimischen reduziert worden. Das Camp bei dem Ölfeld habe als sicher gegolten, sei in einer größeren gesicherten Zone gelegen und von speziellen Wachen geschützt worden. Man habe auch keine schriftliche oder mündliche Warnung von der Libyschen Nationalen Ölgesellschaft (NOC) erhalten. Die Firma beschäftige einen Security-Manager und sorge dafür, dass die Sicherheitsregeln von den Mitarbeitern eingehalten werden, hieß es.

VAOS steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit den Angehörigen der Entführten und dem österreichischen Außenministerium sowie den entsprechenden Botschaften, um den Aufenthaltsort und die sichere Rückkehr der Vermissten sicherzustellen. Das Unternehmen arbeite seit mehr als 30 Jahren in Libyen und sei dort auf zehn Ölfeldern präsent. Einige seien bereits evakuiert worden, alle würden bewacht, hieß es. Während der libyschen Revolution 2011 seien alle Mitarbeiter außer Landes gebracht worden. (APA, 11.3.2015)

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