Intelligente Behälter in Zeiten des Umbruchs

12. März 2015, 09:00
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Urbanisierung, Umweltbewusstsein und Individualisierung beeinflussen die Entwicklung der Intralogistik. Die Branche begegnet den neuen Herausforderungen mit einem heterogenen Lösungsspektrum, das zeigte die Messe Logimat.

Wien - Der Intralogistikbranche geht es rundum gut: So lautet das Resümee nach der Weltleitmesse Logimat 2015, die vergangenen Februar stattgefunden hat. "Das Geschäftsjahr verlief sehr gut", freut sich Gerald Hofer, Vorstandsvorsitzender des steirischen Intralogistikplatzhirschs Knapp AG, "wir verzeichnen quer durch alle Zielbranchen wie Pharma, Lebensmittel, Mode, General Retail und Onlinehandel weiterhin eine sehr starke Nachfrage." Wachstumspotenzial sieht Hofer hauptsächlich in Lateinamerika und den USA.

Wie aufgeschlossen Unternehmen gegenüber Innovationen sind, hänge laute einer Studie der deutschen Logistikberatung IWL AG übrigens nicht von der Führungsart, sondern von ihrer Größe ab. Einmal überzeugt, sind diese jedoch bereit, auch außergewöhnliche Wege - wie etwa Outsourcing von Serviceleistungen an Clouds - zu beschreiten. "Für Cloudprodukte spricht neben ihrer Flexibilität auch die Möglichkeit zur Fixkostenvariabilisierung", erklärt IWL-Sprecherin Nadine Wiedmann. Weniger populär ist bislang die Nutzung von Social Media: Laut Studie nutzen zwar rund 70 Prozent der Intralogistikhersteller, aber nur 38 Prozent der Anwender Facebook, Twitter und Co für ihre Markenpositionierung.

Flexibel und dezentral

"Die Intralogistik setzt keine Trends, sondern wird durch gesellschaftliche Megatrends wie Individualisierung, Umweltbewusstsein, Urbanisierung beeinflusst", betont Dirk Jodin, Vorstand des Instituts für Technische Logistik an der TU Graz. Neben dem boomenden Onlinehandel erfordert vor allem die Zukunftsvision "Industrie 4.0" langfristige Hightech-Strategien im Bereich der Informatisierung, Fertigungs- und Logistiktechnik. Die Intralogistik reagiert darauf mit Innovationen zur Flexibilisierung, Nachhaltigkeit, Dezentralisierung und Skalierbarkeit. Ein weiterer Treiber für innovative Lösungen ist der zunehmende Kosten- und Leistungsdruck, dem intralogistische Systeme ausgesetzt sind.

Die Branche begegnet den neuen Herausforderungen mit einem heterogenen Lösungsspektrum. Dies stellte die Logimat 2015 unter Beweis: 1162 Aussteller (plus 15,4 Prozent) präsentierten Innovationen in Zeiten des Umbruchs und Neubeginns: Intelligente Behälter, die ihren Weg vom Versender zum Empfänger kennen und flexibel auf geänderte Situationen reagieren. Bei Bedarf kommunizieren sie sogar untereinander sowie mit anderen Instanzen. Um immer mehr Prozesse zu automatisieren, muss vor allem die Schnittstelle zwischen Lagerverwaltungssystem und Stapler optimiert werden.

Das preisgekrönte Jungheinrich-Logistik-Interface, mit dem Suchfahrten entfallen, der Fahrweg optimiert wird und Scanvorgänge hinfällig werden, beweist dies eindrucksvoll. Kleine multifunktionelle Roboter (mit Selbststeuerung) sollen nicht nur unflexiblere Techniken ersetzen, sondern auch dem von vielen Unternehmen beklagten Fachkräftemangel entgegenwirken. Ebenfalls als "bestes Produkt" ausgezeichnet wurde das von der Tiroler Kaufmann Bausysteme Gmbh. entwickelte weltweit erste Hochregallager in Holzbauweise. Eine echte Alternative zur aufgrund der gestiegenen Stahlpreise enormen Verteuerung im Regalbau der letzten Jahre.

Frühzeitige Fehlererkennung

Dank des hohen Vorfertigungsgrades im Werk wird zudem die kostenintensive Montagedauer beim Kunden deutlich verkürzt. Auch qualitativ überzeugt der nachwachsende Rohstoff Holz, vor allem bei der Lagerung von Lebensmitteln, Salzen usw., deren chemische Eigenschaften die Lebensdauer von Stahlregalen verkürzen können.

Die von der deutschen Kath-rein Sachsen GmbH entwickelte ARU-CSB-ELC-Antenna-Reader-Unit bietet die Möglichkeit, nahezu in Echtzeit auf Ereignisse im Warenfluss zu reagieren. Das System kann innerhalb seiner Reichweite nicht nur den Lagerort der mit UHF-RFID-Transpondern versehenen Paletten, sondern auch deren Fahrtrichtung auf dem Gabelstapler sowie bei der Lkw-Beladung an den "Dock-Doors" automatisch erkennen.

Die Knapp AG wiederum präsentierte das Zero-Defect- und Low-Complexity-Warehouse. Es soll eine hundertprozentige Kontrolle der Auftragssortierung gewährleisten. "Der Trend geht in Richtung Flexibilität", erklärt Knapp AG-Chef Gerald Hofer, "es geht darum, unsere Lösungen für den Kunden gegenüber Veränderungen in deren Geschäftsmodellen noch anpassungsfähiger zu machen."

Die Logimat gilt als Leitmesse der Intralogistik. Die vorgestellten Lösungen - vom Hochregallager aus Holz bis hin zur neuesten Chiptechnologie - sind wegweisend. (Max Huber, DER STANDARD, 11.3.2015)

  • Die Logimat gilt als Leitmesse der Intralogistik.
    foto: logimat

    Die Logimat gilt als Leitmesse der Intralogistik.

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