Brustkrebsscreening: Sicher durch Vergleich

11. März 2015, 11:36
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Über Mammographie-Screenings wird in Österreich heiß diskutiert - Deutsche Experten attestieren Effizienz

Seit Anfang vergangenen Jahres läuft in Österreich das Mammografie-Screeningprogramm. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Rüdiger Schulz-Wendtland, bezeichnete jetzt das Programm als "hervorragend" und besser als das deutsche System.

"Wir haben in Mittelfranken im November 2005 mit unserem Screening-Programm begonnen. 2008/09 wurde es in Deutschland flächendeckend etabliert. Wir haben in Deutschland eine Beteiligungsrate der berechtigten Frauen (zwischen 50 und 69 Jahre alt; Anm.) von derzeit 55 Prozent mit Trend in Richtung 60 Prozent. In einzelnen Regionen, zum Beispiel in Sachsen-Süd, haben wir schon eine Beteiligung von 70 Prozent erreicht", sagte Schulz-Wendtland, Präsident der deutschen Senologengesellschaft, Radiologe an der Universitätsklinik Erlangen und Co-Chef des Programms im Mittelfrankenland, westlich von Erlangen in Deutschland.

In Deutschland wurde das Mammografie-Screeningprogramm via 94 Untersuchungseinheiten im ganzen Land organisiert - mit jeweils regional rund einer Million Einwohner in der Region. Es gibt immer eine stationäre Einrichtung in dem Gebiet und einen Mammografie-Bus, der durch die Lande tingelt. In Österreich läuft das Programm über die beteiligten Radiologen mit spezieller Ausbildung.

Ergebnisse brauchen Zeit

Der Experte über die Erfahrungen: "Wir in Mittelfranken haben rund 100.000 Frauen, die in die Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahre fallen. Pro Jahr erhalten rund 50.000 eine Einladung zur Mammografie-Früherkennungsuntersuchung." Was sich in Deutschland in den vergangenen Jahren gezeigt habe: "Die Rate der entdeckten Frühkarzinome steigt an, die Rate der entdeckten großen Karzinome (im fortgeschrittenen Stadium; Anm.) fällt."

Gleichzeitig dürfe man sich von einem solchen Programm nicht kurzfristige Erfolge erwarten, sagte Schulz-Wendtland: "Das Entscheidende ist die Verringerung der Mortalität durch Brustkrebs durch das Mammografie-Screeningprogramm. Das werden wir aber erst nach rund zehn Jahren zeigen können." Gerade bei Brustkrebs handelt es sich um eine bösartige Erkrankung, die oft einen viele Jahre dauernden Verlauf nimmt.

Das österreichische Mammografie-Programm mit der prinzipiellen Möglichkeit aller Frauen zwischen 40 bis 70 plus daran teilzunehmen - automatisch eingeladen werden alle zwei Jahre primär die 45- bis 69-jährigen -, bezeichnete der deutsche Experte als "hervorragend". Ein Vorteil liege in der im Vergleich zu Deutschland größeren Altersgruppe und in der vorgesehenen Möglichkeit für die Radiologen, bei Bedarf nach der Röntgen-Mammografie sofort eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung durchzuführen. Das ist besonders bei "dichtem" Brustgewebe wichtig.

Ultraschall bei Screening

Rüdiger Schulz-Wendtland sagte zu der in Österreich zusätzlich vorgesehenen Ultraschall-Möglichkeit im Rahmen des Mammografie-Screeningprogramms: "Das erhöht die Genauigkeit und damit die Sicherheit."

Das in Österreich erweiterte Altersspektrum der für die Früherkennungs-Mammografie berechtigten Frauen sei auch gerade erst in vorbildlichen Ländern wie die Niederlande oder Schweden eingeführt worden und ein zusätzlicher Vorteil, betonte der Senologe.

Jährliche Untersuchungen würden keinen Vorteil bedeuten. "Es gibt keine Daten, wonach ein kürzeres Zeitintervall als zwei Jahre für das Mammografie-Screening etwas bringt."

Man sollte auch die Strahlenbelastung auch nicht außer Acht lassen. Wunder könne das Brustkrebsscreening nicht erreichen, aber gute Erfolge. "Von 1.000 Frauen ohne Screening sterben vier an Brustkrebs. Mit dem Screening retten wir eine davon. Das ist eine Senkung der Mortalität um 20 bis 25 Prozent."

Im vergangenen Jahr wurden in Österreich laut den vorläufigen Zahlen insgesamt 600.858 Mammografien laut dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger durchgeführt. Das sind rund 15 Prozent weniger als im Vergleichsjahr 2013. Es gibt aber einen Aufholprozess, außerdem ist der erste Turnus der alle zwei Jahre erfolgenden automatischen Einladungen noch nicht absolviert.

Die Fakten für Österreicherinnen

Im Rahmen des Programms erhält jede Frau zwischen 45 und 69 Jahren automatisch alle zwei Jahre eine persönliche Einladung zur Mammografie. Seit 1. Juli 2014 können Frauen dieser Altersgruppe aber auch mit ihrer e-card zur Mammografie (Wiederholung nach zwei Jahren wieder möglich; Anm.) gehen, eine Einladung oder Zuweisung ist dann nicht mehr notwendig. Frauen im Alter 40 und 44 bzw. mit 70 Jahren oder älter können sich zur Teilnahme an dem Programm anmelden. In Österreich erkranken jedes Jahr rund 5.000 Frauen an einem Mammakarzinom, 1.600 Patientinnen sterben daran.

Erst vor kurzem schrieben die deutschen Fachgesellschaften für Radiologie, Gynäkologie und Senologie in einer gemeinsamen Stellungnahme zur Sinnhaftigkeit von Brustkrebs-Screeningprogrammen: "Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Analyse des kanadischen Mammografie-Screeningprogramms (...) unterstreicht (...) die Wirksamkeit des Mammografiescreenings auch in der heutigen Zeit. Bei Frauen, die von 1990 bis 2009 am Mammografiescreening teilgenommen hatten, wurde eine Senkung der Brustkrebsmortalität um 40 Prozent nachgewiesen."

Die neuen Ergebnisse aus Kanada würden die Einschätzung bestätigen, dass die Früherkennung, auch bei Anwendung der heute üblichen medikamentösen Behandlung mit Hormon- und Chemotherapie, eine deutliche Senkung der Brustkrebssterblichkeit erreiche. Das Screening trage also eindeutig zu einer Senkung der Brustkrebssterblichkeit bei. (APA, derStandard.at, 11.3.2015)

  • So Fragmentiert wie Pablo Picassos Büste von Francoise ist auch die Debatte um das Mammographie-Screening - es geht auch um politische Interessen.
    foto: epa

    So Fragmentiert wie Pablo Picassos Büste von Francoise ist auch die Debatte um das Mammographie-Screening - es geht auch um politische Interessen.

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