Hypo-Haircut wird angeordnet, nicht verhandelt

11. März 2015, 17:21
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Die Heta-Gläubiger werden erst 2016 erfahren, wie stark sie bei der Abwicklung mitbluten müssen

Die Gläubiger der Hypo-Abwicklungsgesellschaft Heta werden in den kommenden zwölf Monaten drei Dinge gut brauchen können: gute Nerven, gute Rechtsberater und Geld zum Durchtauchen. Denn die Klärung der Frage, mit welchem Beitrag sie in die Heta-Abwicklung eingebunden werden, wird gut ein Jahr brauchen. Das hat der Vorstand der FMA, die für die Abwicklung gemäß dem nigelnagelneuen Abwicklungsgesetz BaSAG zuständig ist, am Mittwoch erklärt.

In einem Pressegespräch erläuterten Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller den Fahrplan, gemäß dem die Abwicklungsabteilung (derzeit acht Leute, 15 sollen dazukommen) vorgehen wird.

Zunächst wird eine "unabhängige und renommierte" Wirtschaftsprüfungskanzlei die Assets bewerten und feststellen, wie groß das Loch in der Heta-Bilanz tatsächlich ist. Anhand dessen werden die Abwickler dann die Gläubigerbeteiligung berechnen, also quasi die Länge des Schuldenschnitts (Haircut). Unterschiedliche Kapitalinstrumente bzw. Forderungen werden da in unterschiedlicher Höhe berücksichtigt, gemäß einer im Gesetz geregelten Kaskade. Die Fakten - also wie groß die Kapitallücke ist und wer wie viel zu deren Füllung beitragen muss, werden dann per Bescheid kundgetan. Die Abwicklungsbehörde muss alle Gläubiger gleichbehandeln.

Verhandlungen mit den Gläubigern wird die Abwicklungsbehörde nicht führen, so eine der zentralen Aussagen der FMA-Chefs: "Wir werden nicht über einen Haircut verhandeln." Weder FMA noch Heta dürften in dem Zusammenhang etwas "anbieten". Auch der seitens des Bundeskanzlers in den Raum gestellte mögliche Rückkauf von besicherten Anleihen könne nur "außerhalb" von Heta und Abwicklungsbehörde stattfinden. Das geschehe ja auch jetzt, schließlich finde Handel mit den Papieren statt.

Verhandlungen erst 2016

Zwar hat Finanzminister Hans Jörg Schelling solche Verhandlungen mit den Gläubigern angekündigt. Laut Finanzministerium werden solche Gespräche aber frühestens dann geführt, wenn "der Wert der Assets festgestellt ist und der finale Abwicklungsplan steht". Auch wer die Vergleichsgespräche führen wird, wird nicht verraten. Zur Erinnerung: Bis Mai 2016 darf die Heta keine Schulden zahlen, die FMA hat ein Zahlungsmoratorium bis Ende Mai 2016 verhängt. Die Münchner Rück gab am Mittwoch bekannt, deswegen im ersten Quartal Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe vornehmen zu müssen.

Was die Größe des Heta-Finanzlochs betrifft, gibt sich die FMA optimistisch, dass die im jüngsten Heta-Asset-Review genannte Maximalsumme von 7,6 Mrd. Euro nicht erreicht wird. Diese Zahlen ergeben sich aus den Abwertungen, die PwC und Alvarez errechnet haben. Die Bandbreite der Korrektur geben sie mit 5,1 bis 8,7 Mrd. Euro an. Wie der STANDARD erfahren hat, beträgt der wahrscheinlichste Wert 5,7 Mrd. Euro.

Die Frage, warum es überhaupt zu einem derart hohen Korrekturbedarf gekommen ist, begründeten die FMA-Chefs mit den unterschiedlichen Bewertungserfordernissen für lebende Unternehmen und solche, die auf Abbau stehen. Aber, so räumte Ettl ein: "Es ist für jeden Beobachter ein Mysterium, was hier passiert."

Einer der Hauptgründe für die Entscheidung, die Heta nicht pleitegehen zu lassen, sondern gemäß neuen EU-Abwicklungsrichtlinien abzuwickeln, liegt im Verkaufsvertrag des Südosteuropa-Netzwerkes (SEE) der Hypo. Gemäß Gesetz muss die Abwicklung im öffentlichen Interesse stehen und für die Gläubiger günstiger sein als die Insolvenz. Der SEE-Verkauf an Advent und EBRD würde aber bei einer Heta-Pleite vertragsgemäß sofort platzen, was die Lage der Gläubiger verschlechtern und die Bankenlandschaft gefährden würde, so die FMA.

Mitte 2015 soll der Verkauf unter Dach und Fach sein - die Heta dürfte dann aber trotzdem nicht in Insolvenz geschickt werden. Denn die "Nachwirkungen" (durch Finanzierungen der Heta) sind laut Ettl so groß, dass der Verkauf "keine Veränderung der Gesamtlandschaft mit sich bringt". (Renate Graber, DER STANDARD, 12.3.2015)

  • Der Haircut, mit dem die Gläubiger der Heta für deren Abwicklung zur Kassa gebeten werden, wird erst dann feststehen, wenn die FMA ihren Abwicklungsplan bekanntgibt. Die Zahlen und Fakten werden Mitte 2016 per Bescheid verlautbart.
    foto: oczeret/apa

    Der Haircut, mit dem die Gläubiger der Heta für deren Abwicklung zur Kassa gebeten werden, wird erst dann feststehen, wenn die FMA ihren Abwicklungsplan bekanntgibt. Die Zahlen und Fakten werden Mitte 2016 per Bescheid verlautbart.

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