USB C: Kleiner Anschluss für Apple, Revolution für die Branche

12. März 2015, 11:08
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Das neue Macbook weist nur eine Schnittstelle auf – damit gibt Apple die Richtung vor

Nur ein einziger Anschluss soll Macbook-Nutzern künftig reichen, um ihren Laptop mit Energie zu versorgen, USB-fähige Geräte anzuschließen oder einen zweiten Monitor zu benutzen. Zumindest, wenn es nach Apple geht: Der IT-Konzern setzt in seinen neuen Macbooks ganz auf den USB-3.1-Standard, der mit den verdrehfreien Steckern des USB-Typs C funktioniert. Außer dem einen Anschluss baut Apple in das neue Macbook nur einen Ausgang für Kopfhörer.

Abkehr von Thunderbolt

Dadurch hat Apple mehr Platz für bessere Akkus und kann das Macbook dünner gestalten. Ziel ist zweifelsfrei, einen Laptop herzustellen, der nur über drahtlose Verbindungen mit der Außenwelt kommuniziert. Bis das technisch möglich ist, vertraut Apple auf USB-C. Ein Schritt, der durchaus überraschend ist, denn Apple versuchte eigentlich mit Thunderbolt einen eigenen Standard zu etablieren. Ab 2011 nutzten Macbooks die gemeinsam mit Intel entwickelte Schnittstelle. Doch außerhalb des Apple-Ökosystems wollte kaum ein Konkurrent Thunderbolt nutzen.

Breite Palette an Fähigkeiten

Mit USB 3.1 dürfte sich das endgültig erledigt haben. Denn jetzt ist USB schneller und günstiger als Thunderbolt – und wird zusätzlich nicht von Apple kontrolliert. Außerdem kann USB 3.1 um einiges mehr als Thunderbolt. Die Bandbreite der unterstützten Verbindungsarten ist erstaunlich: USB 3.1 kann als Displayport einen zweiten Monitor versorgen, das Macbook aufladen, aber auch in die andere Richtung etwa ein iPhone durch das Macbook mit Strom versorgen. Allerdings regt sich schon Kritik an Apple: Vielen ist unverständlich, warum nicht zwei USB-C-Anschlüsse verbaut wurden.

Kritik an Apple

Der Verdacht liegt nahe, dass Apple über entsprechende Adapter ein lukratives Nebengeschäft aufbauen möchte. Golem schreibt etwa davon, dass Apple mit der Entscheidung für nur einen Anschluss die Nutzer "knechten und ihnen das Geld aus der Tasche" ziehen wolle. Auch die "Washington Post" glaubt, dass Apple hier der "Branche um Adapter und Splitter" einen gewaltigen Schub bescheren wird.

Auch Lightning in Gefahr?

Seine Fähigkeiten voll ausspielen wird USB-C dann beispielsweise in künftigen Macbooks Pro, die vermutlich über mehrere Schnittstellen verfügen werden. Aber auch Smartphones und Tablets könnte USB 3.1 erobern: Nokia setzte bereits vor wenigen Monaten in seinem N1-Tablet auf eine USB-C-Schnittstelle. Damit schwebt auch über Apples zweitem eigenen Standard Lightning ein großes Fragezeichen. Die Situation ist ähnlich wie bei Thunderbolt: Auch der für Smartphones gedachte Lightning-Anschluss setzte sich außerhalb des Apple-Kosmos nie durch. Einzig Philips brachte einmal iPhone-Kopfhörer heraus, die via Lightning verbunden sind.

Große Zukunft

Allerdings sind die Lightning-Ports ein Stück schmäler als USB-C, was im Smartphone-Geschäft durchaus relevant ist. iPhones benötigen aufgrund ihrer Nutzungsweise auch andere Anschlüsse als ein Macbook. Daher glaubt The Verge nicht, dass Apple tatsächlich auch in Smartphones auf USB-C setzen wird. Fakt ist jedenfalls, dass der USB-Standard durch den Fokus des neuen Macbooks in seiner Relevanz und Verbreitung einen großen Sprung macht. "Es gibt eine große Zukunft für USB-C", ist sich die "Washington Post" bereits sicher.

Google

Zudem ist Apple in seiner offensiven Unterstützung für USB-C nicht alleine. Nur wenige Tage nach dem Macbook-Hersteller kündigte auch Google seinen ersten Laptop mit USB-C an: Das Chromebook Pixel, das gleich zwei solche Anschlüsse beherbergt. In einem Video betont Google außerdem, dass man ganz hinter dem neuen Standard stehe, und schon bald weitere Chromebooks und Android-Smartphones mit USB-C folgen sollen. (fsc, derStandard.at, 12.3.2015)

  • Apple setzt bei den neuen Macbooks ganz auf USB-C: Im Bild Vizepräsident Phil Schiller
    foto: reuters/galbraith

    Apple setzt bei den neuen Macbooks ganz auf USB-C: Im Bild Vizepräsident Phil Schiller

  • Kritik regt sich allerdings daran, dass Apple wirklich nur einen einzigen Anschluss in seine neuen Macbooks einbaut.
    foto: ap/risberg

    Kritik regt sich allerdings daran, dass Apple wirklich nur einen einzigen Anschluss in seine neuen Macbooks einbaut.

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