Wiener Flughafen forciert Aircargo-Geschäft

11. März 2015, 09:19
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Derzeit lassen sich in Schwechat pro Jahr bis zu 350.000 Tonnen Luftfracht umschlagen. Bis 2030 soll Platz für bis zu 450.000 Tonnen geschaffen werden

Wien - Der Wiener Flughafen bastelt derzeit an einem Ausbaukonzept mit Perspektive 2030, in dem Luftfracht eine wichtige Rolle spielt. Mit dem "Airport-City"-Konzept, wie sich das Zukunftsprogramm nennt, will Österreichs größter Flughafen seine Rolle als Drehscheibe für den Frachtverkehr festigen. Neue Dienstleistungsstandbeine sollen geschaffen werden. "Wir wollen von den Besten lernen", stellt Flughafen-Vorstand Günter Ofner fest und schaut nach Utrecht, London oder Stockholm. Die Flughäfen in diesen Städten haben solche Konzepte teilweise umgesetzt und fahren damit gut.

Vor allem hochwertige Güter

Der Wiener Flughafen setzt auf eine stärkere Immobilien-Entwicklung. Die mehr als 1000 Hektar brachliegende Fläche in seinem Einzugsbereich bieten sich dafür förmlich an: "Mit diesen Flächen haben wir viele Chancen für gewerbsmäßige Nutzung", ist Ofner überzeugt. So eignet sich beispielsweise eine Gewerbefläche bei Fischamend im Ausmaß von über 140.000 Quadratmetern ideal für Unternehmen, die eine unmittelbare Nähe zum Flughafen brauchen, wie zum Beispiel Logistikanbieter, aber auch Firmen, die Just-in-time-Factoring betreiben und ihre Waren schnell in alle Welt versenden wollen.

Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr wurden in Schwechat 277.000 Tonnen Fracht umgeschlagen, um acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Gros der Luftfracht mit mehr als 197.000 Tonnen (plus elf Prozent) wurde geflogen, rund 80.000 Tonnen wurden mit "Road-Feeder-Services" abgewickelt. Damit ist der Transport von Frachtsendungen per Lkw zwischen Flughäfen gemeint.

Per Luftfracht transportiert werden vor allem hochwertige Güter, die höhere Frachtkosten vertragen und schnell von einem Ort zum anderen kommen müssen. Besonders wichtig sind die Routen aus Asien. Von dort kommen Produkte wie Elektronikartikel und Komponenten für die Automobilindustrie. Momentan werden zusätzliche Parkplätze für Frachtflugzeuge bei der Cargo City Nord geschaffen. Erst kürzlich hat sich das Handelsunternehmen Makita in Sichtweite seines Logistikdienstleisters in Fischamend niedergelassen.

Derzeit lassen sich bis zu 350.000 Tonnen Luftfracht pro Jahr in Schwechat locker umschlagen. Bis 2030 soll Platz für bis zu 450.000 Tonnen geschaffen werden. "Wir müssen ein Angebot schaffen, das für potenzielle ansiedlungsfreudige Unternehmen attraktiv ist", sagt Ofner. In die Entwicklung der Immobilien werden Spediteure, Logistik-Dienstleister und Integratoren aktiv eingebunden, deren Vorstellungen sollen berücksichtigt werden.

Platz schaffen

Im Bereich der Cargo City Süd ist eine separate Autobahnabfahrt geplant. Dort werden mit Blickrichtung 2018 10.000 Quadratmeter Fläche für das Cargo-Handling entwickelt. Mehr zu erwartende Frachttonnen bedingen auch infrastrukturseitige Ausbaumaßnahmen. Über kurz oder lang wird der Airport auch eine dritte Piste brauchen, um den steigenden Flugverkehr reibungslos abwickeln zu können.

Das Verfahren um die dritte Piste dauert schon fast zehn Jahre. Ein so großer Flughafen wie Wien ist ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt und das Land Niederösterreich. Derzeit sind rund 20.000 Leute beschäftigt, doppelt so viele arbeiten in Zulieferunternehmen. In 15 Jahren will Ofner weitere 14.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz bieten.

Mit dem Airport-City-Konzept will man der drohenden Konkurrenz aus Deutschland und aus dem Osten entgegenwirken. Im Großraum Istanbul, genauer gesagt am Rand des Schwarzen Meers will die türkische Regierung einen neuen Mega-Flughafen bauen, der angeblich der weltgrößte werden soll. 150 Mio. Passagiere sollen dort pro Jahr durchgeschleust werden können, womit Istanbul zu einem der größten Luftfahrtdrehkreuze der Welt anwachsen würde. Eine vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie legt sehr offen dar, warum Österreich bei der Luftfahrt auf der Hut sein müsse, um nicht international an Terrain zu verlieren. In der Ära von Ministerin Doris Bures wurde das Strategiekonzept "Road Map Luftfahrt 2020" erarbeitet, in dem der Status quo und der notwendige Handlungsbedarf aufgezeigt wird.

Expansion der Konkurrenz

Nicht nur aus Zürich, München und Istanbul droht Österreich Ungemach. Es ist ein offenes Geheimnis, was Turkish Airlines und Emirates, die Airline der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), vorhaben und womit sie der Airline-Branche und den Flughäfen die Sorgenfalten ins Gesicht treiben.

Expansion im großen Stil über die Airports Istanbul einerseits (Turkish Airlines) und den Airports im arabischen Raum anderseits (Emirates) sind die Ziele der beiden.

Mit dem "Airport-City"-Konzept, wie sich das Zukunftsprogramm nennt, will Österreichs größter Flughafen seine Rolle als Drehscheibe für den Frachtverkehr festigen.

Foto: Flughafen Wien

(Markus Trostmann, DER STANDARD, 11.3.2015)

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