Daniel Ricciardo und die großen Erwartungen

10. März 2015, 23:29
3 Postings

Australier hat in seiner Heimat eine Euphorie für die Formel 1 ausgelöst. Der Red-Bull-Pilot, im Vorjahr Dritter, greift in dieser Saison quasi nach den Sternen. Sein erster Angriff auf die übermächtigen Mercedes erfolgt am Sonntag beim Heimrennen in Melbourne

Melbourne - Die Formel-1-Fans in Australien lieben ihn. Sie hoffen auf den ersten Sieg eines Lokalmatadoren überhaupt beim Großen Preis von Australien. Daniel Ricciardo lächelt die riesigen Erwartungen einfach weg. "Wenn ich im Auto sitze, den Helm aufhabe und der Motor angeht, kann ich das alles ausblenden", sagte der Red-Bull-Pilot am Dienstag in Melbourne. In der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria, auf dem Albert-Park-Circuit, wird am Sonntag die Saison eröffnet.

Ricciardo hat mit seinen drei Rennsiegen und dem dritten Platz in der WM-Wertung 2014 hinter Weltmeister Lewis Hamilton und Nico Rosberg für eine neue Formel-1-Euphorie in Australien gesorgt. In der Vorsaison gewann der 25-Jährige als einziger Nicht-Mercedes-Fahrer. Seinen nun Ex-Teamkollegen, den vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel, stellte er klar in den Schatten. Am Saisonende hatte Ricciardo um 71 Punkte mehr als der Deutsche, der in der WM nur Fünfter wurde und am Sonntag sein Renndebüt im Ferrari geben wird.

In Melbourne wird Ricciardo bei jedem Termin gefeiert, die Anhänger belagern ihn, und die Veranstalter des Rennens verkauften deutlich mehr Tickets als im Vorjahr. Heuer will der Mann aus Perth so richtig durchstarten. "Als ich zu Red Bull kam", erzählt Ricciardo, "wurde ich gefragt: 'Kannst du das Tempo von Sebastian mitgehen? Kannst du auf das Podium fahren?' Ich denke, ich habe viele dieser Fragen beantwortet. Ich habe bewiesen, wozu ich fähig bin."

Mercedes freilich gilt auch 2015 als großer Favorit. "Die Tests haben gezeigt, dass Mercedes immer noch sehr stark ist. Ich will nicht pessimistisch sein, aber sie scheinen im Moment das Team zu sein, das es zu schlagen gilt", sagte Ricciardo. Dahinter aber gehe es sehr eng zu. "Wir kämpfen mit Ferrari und Williams."

Gerichtsstreit

Giedo van der Garde hatte kurz vor Saisonstart ganz andere Sorgen. Am Dienstag wusste er noch nicht einmal, ob er am Sonntag fahren darf. Der 29-jährige Niederländer wollte sich einen Platz im Cockpit von Sauber vor Gericht erkämpfen. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Melbourne wurde auf Mittwochvormittag australischer Zeit (nach Blattschluss) vertagt. Van der Garde ist der Meinung, sich im Vorjahr mit dem Rennstall auf ein fixes Cockpit für 2015 geeinigt zu haben. Das Schweizer Team hatte am Ende der Vorsaison aber den Brasilianer Felipe Nasr und den Schweden Marcus Ericsson als Stammpiloten nominiert. Die beiden sogenannten Paydriver garantieren dem klammen Rennstall über Sponsoren Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich. Van der Garde war im Vorjahr Ersatzfahrer bei Sauber. Diesen Job soll heuer der Italiener Raffaele Marciello erledigen.

Saubers Anwalt, Rodney Garratt, sagte, ein Einsatz van der Gardes sei schon aus Sicherheitsgründen "unverantwortlich und gefährlich". Schließlich habe der Niederländer den neuen Wagen noch nie gefahren, zudem gebe es keinen passenden Sitz. "Sauber kann es ihm einfach nicht erlauben, dieses Auto zu fahren", sagte Garratt, ansonsten bestehe ein nicht zu akzeptierendes Risiko im Auftaktrennen.

Bereits am Freitag steht in Melbourne das erste freie Training auf dem Programm. Ricciardo wird sicher im Cockpit sitzen. (sid, red, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • Daniel Ricciardo gab 2011 für das HRT-Team sein Debüt in der Formel 1. Nach zwei  Jahren bei Toro Rosso wechselte der Australier 2014 zu Red Bull, wo ihm als  Teamkollegen von Sebastian Vettel der Durchbruch gelang. Im Vorjahr war er der  einzige Nicht-Mercedes-Pilot, der Rennen gewinnen konnte.
    foto: apa/epa/haider

    Daniel Ricciardo gab 2011 für das HRT-Team sein Debüt in der Formel 1. Nach zwei Jahren bei Toro Rosso wechselte der Australier 2014 zu Red Bull, wo ihm als Teamkollegen von Sebastian Vettel der Durchbruch gelang. Im Vorjahr war er der einzige Nicht-Mercedes-Pilot, der Rennen gewinnen konnte.

  • Will sich ins Sauber-Cockpit klagen: Giedo Van Der Garde.
    foto: apa/epa/nearmy

    Will sich ins Sauber-Cockpit klagen: Giedo Van Der Garde.

Share if you care.