FPÖ wollte offenbar doch zu Rechtsextremen-Kongress fahren

10. März 2015, 22:19
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Russische Zeitung berichtet über Treffen mit Goldener Morgenröte und NPD in St. Petersburg - Blauer Vize-Parteichef beteuert danach: "Hatte nie vor, hinzufahren"

Wien - Die FPÖ hat einen russischen Medienbericht bestritten, sie habe an einem Kongress von rechtsextremen Parteien in Russland teilnehmen wollen. Am 22. März findet in St. Petersburg das "Internationale Russische Konservative Forum" statt, bei dem laut Medienberichten Vertreter der griechischen Neonazi-Partei Goldene Morgenröte, der NPD aus Deutschland und der British National Party erwartet werde.

Dennoch: Der FPÖ-Vize-Parteichef Johann Gudenus wollte laut einem der APA vorliegenden Schreiben noch im vergangenen Dezember am Kongress teilnehmen. "Recht herzlichen Dank für die Einladung zum 'Internationalen Russischen Konservativen Forum' und 'Russischen Kulturzentrum - Volkshaus'. Ich freue mich auf die Konferenz. Seien Sie so nett mich und meine Anwesenheit auf Ihre Liste zu setzen", heißt es in einem Schreiben Gudenus', das in englischer Sprache verfasst ist und sich auf offiziellem Briefpapier des FPÖ-Klubobmanns im Wiener Landtag befindet.

Schreiben vom Dezember 2014

Laut Angaben der Organisatoren der Konferenz stammt das Schreiben vom Dezember 2014, das der APA vorliegende PDF-File ist am 19. Dezember 2014 angelegt worden. Unter "Kulturzentrum" dürfte eine Gruppe von russisch-orthodoxen Aktivisten gemeint sein, die zuletzt in St. Petersburg als "Russisches Nationales Kulturzentrum - Volkshaus" politisch in Erscheinung traten.

Die russische Zeitung "Kommersant" hatte in ihrer Dienstags-Ausgabe berichtet, die FPÖ sei eine von elf teilnehmenden Parteien bei dem Kongress. Organisator Juri Ljubomirski von der rechten russischen Partei Rodina (Heimat) berichtete auf Nachfrage der APA, der freiheitliche Vize-Parteichef "Johann Gudenus hat mir am Montag in einer Mail abgesagt." Er habe dabei auf laufende Wahlkämpfe in Österreich verwiesen.

Gudenus beteuert: Einladung abgelehnt

Gegenüber der APA sagte Gudenus dann, die FPÖ habe nie ab dem Kongress teilnehmen wollen. "Nein, das ist falsch. Ich hatte nie vor, dorthin zu fahren." Auf die Inhalte der Veranstaltung angesprochen sagte Gudenus, es handle sich um "interessante" Themen. "Da geht's um konservative Politik, Wertepolitik. Wir reden mit jedem." Er sehe "da kein großes Problem", betonte der Wiener Landtagsabgeordnete. Angesprochen auf die Teilnahme von rechtsextreme Parteien sagte Gudenus: "Woher soll ich wissen, wer noch dort ist".

Vereinigung konservativer und national orientierter Kräfte

Nach Eigendarstellung ist bei dem Kongress in St. Petersburg die Gründung einer Bewegung zur Vereinigung konservativer und national orientierter Kräfte in ganz Europa geplant. "Wir brauchen Verbündete in Europa, auch in Verbindung mit dem Konflikt in der Ukraine, und hoffen, dass im Europaparlament vertretene Parteien die Abschaffung der antirussischen Sanktionen erreichen werden", zitiert "Kommersant" den Organisator Ljubomirski.

Erst im September vorigen Jahres war der blaue Vize-Parteichef und Klubchef der Wiener FPÖ kritisiert worden, nachdem er bei einem "Familien-Forum" in Moskau gegen die Macht der "Homosexuellen-Lobby" gewettert. Zuvor nahm er als inoffizieller Wahlbeobachter am international als illegitim kritisierten Abspaltungsreferendum auf der Krim teil. Gudenus hat in Moskau studiert und spricht fließend Russisch - er gilt darum in seiner Partei als Kenner der Region.(APA, 10.3.2015)

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