Inder sind sicher, Maria ist abgesprungen

11. März 2015, 09:00
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Die Anadi Bank hat sich beim Einkauf in die Hypo gut abgesichert. Ende 2011 oder Anfang 2012 ist der Einstieg der BKS Bank per "Projekt Maria" kurz vor einer Einigung gescheitert

Wien - Die Kärntner Landeshypo, die in der Pfandbriefstelle vertreten ist, hat indische Eigentümer. Die Klagenfurter Hypo Alpe Adria Bank AG (HBA, der Österreich-Teil der Hypo-Alpe-Adria-Gruppe) wurde ja 2013 an eine Gesellschaft des britisch-indischen Geschäftsmanns Sanjeev Kanoria verkauft. Sie firmiert seither unter Austrian Anadi Bank AG. Für sie bzw. von ihr begebene Anleihen haftet das Land Kärnten mit rund 650 Millionen Euro. Die Anadi Bank (Anadi ist Hindi und steht für "ewig") müsste im Rahmen des Schuldenmoratoriums der Heta rund 100 Millionen Euro beitragen.

Indisches Projekt Tapferkeit

Aus Unterlagen zum Bankverkauf, der unter dem Projektnamen "Fortitudo" (Lateinisch für Unerschrockenheit, Tapferkeit) erschließt sich, dass sich das Kaufvehikel Anadi Financial Holdings und Sanjeev Kanoria dazu verpflichtet haben, sicherzustellen, dass die Bank künftig alle regulatorischen Kapitalanforderungen erfüllen kann.

Kanoria, der inzwischen stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Bank ist, habe als Letztbegünstigter "kurzfristig Zugang" zum Vermögen der ihm zuzurechnenden Holdings; es gehe um Immobilienbesitz im Vereinigten Königreich. Im Fall unmittelbaren Finanzbedarfs könne dieses Vermögen kurzfristig flüssiggemacht werden; zudem könne man die Immobilien belehnen, heißt es in der "Acquisition note". Der Finanzarm der familieneigenen Kanoria-Unternehmensgruppe ist die Srei Infrastructure Ltd.

Anadi wiederum hat sich verpflichtet, dann Kapital einzuschießen, wenn es der "Erhalt des Wachstums der Bank" erfordert.

Sicherheitsnetz

Abgeschlossen wurde der Verkauf der Hypo-International-Tochter (Buchwert: rund 100 Millionen Euro) im Dezember 2013, Anadi hat 65,5 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Davon sind bis dato aber erst rund 50 Millionen Euro geflossen, der Rest liegt nach wie vor auf einer Art Treuhandkonto.

Sie dienen als Sicherstellung für Gewährleistungen, die sich die Käufer ausbedungen haben. Ein Teil dieses Betrags wird gemäß Kaufvertrag erst im September 2017 freigegeben - sofern die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Es geht dabei um monetäre Vorsorge rund ums Thema Steuern, Ausgliederungen ("carve-out") oder Kosten für Gerichtsverfahren.

Österreichisches Projekt Maria

Abseits des Scheinwerferlichts der Öffentlichkeit haben sich im Herbst 2011 auch Österreicher für die HBA interessiert. Die börsennotierte BKS Bank (Drei-Bankengruppe; größte und per Vertrag beinah aneinandergeschweißte Aktionäre sind Linzer Oberbank, Bank für Tirol und Vorarlberg und Bank Austria) hat sich die Kärntner Hypo genau angeschaut. Das Vorhaben lief unter dem Namen "Projekt Maria". "Maria" sei ein "ernstzunehmender Interessent", heißt es in einem Schriftstück der Hypo-Banker, der mit "dem heutigen Aufsichtsratsbeschluss seine seriösen Absichten untermauert hat", heißt es in einem Dokument vom 26. September 2011. Die Ergänzung des Kunden- und Filialnetzes von "Maria" durch selbiges der HBA sei eine "denkbare Variante, die eine österreichische Lösung mit starker regionaler Ausrichtung ermöglichen würde".

Die Kärntner gewährten der von Herta Stockbauer geführten BKS alias Maria gemäß einem Memorandum of Understanding drei Monate lang Exklusivität für die Gespräche, vereinbart wurde auch eine Due Diligence. "Maria" sei sich aber "bewusst, dass die Hypo Alpe Adria Österreich in einem öffentlichen Bieterverfahren steht und auch mit anderen Interessenten kommuniziert ...", hielten die Banker damals schriftlich fest.

Dem Vernehmen nach wollte die BKS rund 80 Millionen Euro für die Kärntner Hypo bezahlen. Letztlich ist der Plan aber gescheitert. Angeblich in letzter Minute und an Widerständen im BKS-Aufsichtsrat. (Renate Graber, DER STANDARD, 11.3.2015)

  • Ende 2013 unterschrieb  Sanjeev Kanoria (li.) mit Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter den Kaufvertrag.
    foto: hypo alpe adria

    Ende 2013 unterschrieb Sanjeev Kanoria (li.) mit Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter den Kaufvertrag.

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