Afrikanischer Ex-Minister lenkt Schweizer Bank

10. März 2015, 17:58
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Tidjane Thiam wird neuer Chef der Credit Suisse, der gebürtige Ivorer überragt die meisten Manager auf den ersten Blick

Aus dem Rahmen des normalen britischen Unternehmensleiters fällt Tidjane Thiam schon auf den ersten Blick. Mit 1,90 Meter überragt der gebürtige Ivorer die meisten Manager seiner Generation, zudem war er 2009 der erste Schwarze im Chefsessel eines der 100 größten Konzerne auf der Insel. Im Sommer wechselt der 52-Jährige vom Versicherungskonzern Prudential nach Zürich zum zweitgrößten Schweizer Bankhaus Credit Suisse. Im alten Job sei er lang genug gewesen, sagt der in der Londoner City hochangesehene Bank-Novize.

Bewegt war Thiams Leben schon bisher, im Vergleich zu den meisten Leitern globaler Unternehmen hat der neue Credit-Suisse-Chef eine bunte Biografie aufzuweisen. Als siebentes und jüngstes Kind eines Journalisten und Diplomaten sowie einer Frau ohne Schulbildung, die sich erst als Erwachsene selbst das Lesen beibrachte, durchlief der Ivorer das französische Bildungssystem jeweils mit Bestnoten, studierte Mathematik und Physik und besuchte schließlich auch die Elite-Wirtschaftsuni Insead.

Eine steile Karriere beim Unternehmensberater McKinsey unterbrach der 32-Jährige, um seinem Geburtsland Côte d'Ivoire zu helfen: Thiam leitete die Staatsagentur für Infrastruktur-Projekte, wurde später auch Planungsminister. Nach einem Militärputsch 1999 bat ihn die neue Regierung, weiterzuarbeiten. Stattdessen verließ Thiam das Land. "Da habe ich alles verloren. Sechs Monate hatte ich gar nichts. Da habe ich viel über mich gelernt", sagte der Manager später über diese Zeit.

Der zwischenzeitlichen Rückkehr zu McKinsey in Paris folgte 2002 die Abwanderung nach Großbritannien, zunächst zum Versicherungskonzern Aviva, dann zum größeren Konkurrenten Prudential. Dort schien der erste Schwarze im Chefsessel eines FTSE-100-Unternehmens zunächst zur Eintagsfliege zu werden. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt 2009 scheiterte Thiam mit der geplanten Milliardenübernahme des asiatischen Versicherers AIA.

Analysten in London loben die Hartnäckigkeit Thiams, der trotz misslungener AIA-Übernahme das Asiengeschäft ausbaute. Der dortige, stark wachsende Markt dürfte auch für die CS-Vermögensverwaltung von Interesse sein.

Einen Nachteil hat der Umzug nach Zürich allerdings: Künftig kann der mit einer amerikanischen Anwältin verheiratete Fußballfan seltener mit seinen beiden erwachsenen Söhnen zu Spielen seines Lieblingsklubs FC Arsenal gehen. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 11.3.2015)

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