Frankreichs Sport trägt Trauer

10. März 2015, 17:15
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Tödlich verunglückt: Schwimmerin Camille Muffat 1989–2015, Boxer Alexis Vastine 1986–2015 und Seglerin Florence Arthaud 1957–2015

Buenos Aires / Paris / Wien – Die Flagge im olympischen Hauptquartier zu Lausanne weht drei Tage auf Halbmast, für alle französischen Sportevents sind Schweigeminuten angesagt – für die Schwimmolympiasiegerin Camille Muffat, den Boxer Alexis Vastine und die Seglerin Florence Arthaud. Sie waren allesamt unter den zehn Menschen, die am Montag bei der Kollision zweier Hubschrauber während der Dreharbeiten für eine Realityshow im Nordwesten Argentiniens starben.

Die Bekannteste des Trios war Muffat (25), die 2012 in London über 400 m Freistil triumphiert und im Vorjahr nach einem Streit mit ihrem Trainer überraschend ihre Karriere beendet hatte. "Das Leben ist ein großes Geschenk, Camille wurde es viel zu früh genommen", rief die zweimalige deutsche Weltmeisterin Franziska van Almsick ihrer Ex-Kollegin aus Nizza nach, die 2012 in der traditionellen Wahl der Sporttageszeitung L'Équipe zur Championne des championnes France erkoren worden war.

Alexis Vastine (28) aus Pont-Audemer in der Normandie wurde aus einem zuletzt etwas aus der Bahn geratenen Leben gerissen. Der Olympia-Dritte im Halbweltergewicht von Peking 2008 hatte sich vier Jahre später in London bei seiner Viertelfinalniederlage betrogen gefühlt. Französische Medien berichteten danach immer wieder von Depressionen und übermäßigem Alkoholkonsum. Vastines Schwester Celia war erst vor zwei Monaten bei einem Autounfall gestorben.

Verlobte des Atlantiks

Geradezu legendär war Florence Arthaud (57), "die kleine Verlobte des Atlantiks", wie sie genannt wurde, nachdem sie 1990 als erste Frau die Route du Rhum, eine Transatlantik-Einhand-Regatta, gewonnen hatte. Auch die Seglerin aus Boulogne-Billancourt bei Paris adelte L'Équipe zur Championne des championnes. Mit 17 Jahren war Arthaud nach einem Autounfall im Koma gelegen und zwischenzeitlich gelähmt. In ihrer 2009 erschienenen Autobiografie berichtete sie über Alkoholprobleme infolge der langen Genesungszeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) würdigte die drei Verunglückten als "großartige Athleten, wahre Champions und Vorbilder". Beinahe hätte dieser Nachruf auch für Alain Bernard (31) gegolten. Europas Schwimmer des Jahres 2008, ein zweifacher Olympionike, saß bereits in einem der beiden Unglückshelikopter, musste aber wegen Überlastung aussteigen. (sid, lü, DER STANDARD, 11.3.2015)

  • Camille Muffat erschwamm 2012 in London Gold.
    foto: ap/sohn

    Camille Muffat erschwamm 2012 in London Gold.

  • Florence Arthaud segelte legendär.
    foto: reuters/platiau

    Florence Arthaud segelte legendär.

  • Alexis Vastine erboxte 2008 in Peking olympisches Bronze.
    foto: reuters/sezer

    Alexis Vastine erboxte 2008 in Peking olympisches Bronze.

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