Die Kunst der Subversion

10. März 2015, 17:26
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Im Graz-Museum zeigen Künstler Alternativen zu totaler Überwachung und Ökonomisierung auf - mit teils sehr amüsanten Arbeiten

Graz - "Putz Di!" steht auf dem großen roten Schuhabstreifer, über den man gehen muss, um in die gotische Halle im Graz-Museum zur Ausstellung Subversiv zu gelangen. Die Arbeit von Erwin Posarnig kann als Aufforderung zur Körperpflege oder wenig freundliche Verabschiedung gelesen werden.

Posarnig und 21 andere Künstler und Kollektive haben für die Schau das Thema soziale und politische Ordnungen gewählt, um Alternativen zum Überwachungsstaat und zur Ökonomisierung des öffentlichen Raums zu entwerfen. Zusammen mit der Akademie Graz und dem Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Uni Graz entstand so die Fortsetzung zu Graz - Offene Stadt, einer Schau, die das Museum 2014 zeigte.

Wie im Vorjahr schreckt das Stadtmuseum dabei vor einer kritischen Sicht auf die eigene Stadt nicht zurück. Vor allem neuere Arbeiten thematisieren aktuelle Grazer Stadtpolitik. Wie ein Gemälde des Malers Josef Schützenhöfer, das die umstrittene Ordnungswache der Stadt parodiert.

Die junge Künstlerin Tanja Fuchs eignete sich mit ihrer Broschüre für Grazbesucher zwar das Erscheinungsbild touristischer Publikationen an, allerdings weist sie bei ihren "Sehenswürdigkeiten" auf etwas andere Zahlen und Fakten hin. "Mittlerweile sind über 40.400 Menschen in Graz armutsgefährdet", heißt es da etwa unter einem Foto mit Uhrturm.

Addie Wagenknecht stellt die 360-Grad-Überwachung der Gesellschaft mit einem Lüster aus Videokameras dar, der Steirer Erwin Polanc porträtierte - völlig wertfrei und respektvoll - für seine Fotoserie Uniformierte verschiedene Uniformträger aus dem Securitybereich. Oliver Ressler spürte Bilder der sozialen Kontraste im urbanen Bereich auf.

Die Punk-Bank von Gustav Troger lädt alle Menschen zum Sitzen ein. Auch große Namen stellten Werke zur Verfügung, etwa Peter Weibel die Originalfotografie seiner Arbeit Polizei lügt aus dem Jahr 1971. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 11.3.2015)

Subversiv, Graz-Museum, Sackstraße 18, bis 23.3.

  • Der Maler Josef Schützenhöfer verewigte die beiden Kuratoren der Ausstellung "Subversiv", Astrid Kury und Martin Behr, als Ordnungshüter der etwas anderen Art.
    foto: akademie graz

    Der Maler Josef Schützenhöfer verewigte die beiden Kuratoren der Ausstellung "Subversiv", Astrid Kury und Martin Behr, als Ordnungshüter der etwas anderen Art.

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