Simon Xie Hong: "Eine Küche muss sexy sein"

12. März 2015, 15:43
1 Posting

Die Küche ist Zentrum des Wohnens und Lebens

Ich kann mich sehr gut an unsere erste Küche erinnern, schließlich hab ich schon mit zwölf Jahren begonnen, für mich selbst zu kochen. Zumindest war das unter der Woche so, denn meine Eltern waren beide berufstätig und kamen erst abends nach Hause. Wir wohnten damals in einer Küstenstadt namens Hangzhou, die südlich von Schanghai liegt.

Die Küche war eine sehr traditionelle und ursprüngliche Küche mit ländlichem Charakter. Um den Ofen zu befeuern, musste man zuerst Papier anzünden, dann kleine Hölzchen, und später wurde dann Kohle dazugegeben. Ich weiß noch, dass es mir sehr großen Spaß gemacht hat, selbst zu entscheiden, was alles in den Topf und in die Schüssel kommt. Man kann getrost sagen, dass ich damals meine Liebe für das Kochen entdeckt habe.

Kochen ist nicht nur Arbeit

Meine Küche muss in erster Linie funktional sein, die Dinge, die man zum Kochen benötigt, sind im besten Falle in Griffnähe. Man sollte gleichzeitig aber auch genügend Platz haben, um sich bewegen zu können. Außerdem muss eine Küche wirklich sexy sein. Ich verstehe Kochen nicht nur als Arbeit, sondern auch als etwas unglaublich Sinnliches. Dadurch entsteht auch eine emotionale Verbindung zu diesem Ort, ein Zugang, der nichts mit alltäglicher Haushaltsarbeit zu tun hat. Natürlich ist auch die Einrichtung einer Küche Geschmackssache. Ich bevorzuge gerade Linien, klare Oberflächen und Materialien wie Stein, aber auch Holz, das man in der Gastronomie leider so gut wie gar nicht verwenden darf.

Meine Küche habe ich mit der Unterstützung eines befreundeten Architekten geplant, in Sachen Materialien wurde ein Küchenbauer zurate gezogen. Am allerwichtigsten war mir eine Gasleitung für den Herd, diese musste ich allerdings extra installieren lassen. Der Herd liegt mir von allen Gerätschaften am meisten am Herzen, nicht nur wegen der Tätigkeit des Kochens an sich. Ich steh auch wahnsinnig auf die Flammen, was mit der erwähnten Sinnlichkeit des Kochens zu tun hat. Die Flammen sind ein wunderbarer Anblick. Klar braucht's auch Dinge wie Messer, zu denen hab ich allerdings nicht so eine leidenschaftliche Beziehung wie andere Köche. Zur Not schäle ich einen Apfel auch mit einem Beil.

Lust und Laune

Es gibt heutzutage viel zu viel Zeugs, das in Küchen und Schubladen herumliegt. Die Menschen haben für jedes Problemchen ein Werkzeug. Dadurch verlieren sie nicht nur Stauraum, sondern auch den Überblick.

Außerdem sehe ich da einen Trend, dass Küchen immer fotogener anstatt praktischer werden müssen. Das ist wohl der Zeitgeist. Dabei ist die Küche ein Zentrum des Wohnens und Lebens. Eine Küche ist etwas Wunderbares, sie drückt Lebensfreude aus. Kochen kann auch etwas sehr Meditatives sein, auf jeden Fall sollte es nichts sein, das einen belastet. Das wäre schade.

Wein darf nicht fehlen

Im Unterschied zu den Küchen in meinen Lokalen koche ich privat so gut wie stressfrei. Ich bereite mindestens eine Mahlzeit am Tag bei mir zu Hause zu, ein bisschen Fisch ist fast immer dabei. Ich koche für mich allein, aber auch für Freunde, die zu Besuch kommen. Diesbezüglich probiere ich gerne Dinge aus, die gegebenenfalls in meinen Restaurants auf die Karte kommen.

Im Vordergrund stehen am Herd immer die Lust und die Laune. Heute zum Beispiel steht mir der Sinn nach Tofu und grünem Gemüse. Draußen scheint die Sonne, es ist frühlingshaft, und da möchte ich gern was Leichtes zu mir nehmen.

Was in einer Küche übrigens auf keinen Fall fehlen darf, ist Wein - zum Trinken ebenso wie zum Kochen. Natürlich verwende ich auch Sherry oder Cognac. Alkohol ist in der Küche mindestens so wichtig wie Salz und Pfeffer. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 13.3.2015)

Simon Xie Hong betreibt das ON im 5. Wiener Bezirk, die China Bar im 7. Bezirk und das ON-Market am Naschmarkt. Kommenden Sommer wird noch ein viertes Lokal im 5. Bezirk, Hamburgerstraße 2, dazukommen.

www.restaurant-on.at
www.on-market.at
www.chinabar.at

  • Simon Xi Hong sieht die Küche als Wohnraum, der Lebensfreude vermitteln soll. Hier ist er in seiner Privatküche im 5. Bezirk zu sehen.
    foto: christian benesch

    Simon Xi Hong sieht die Küche als Wohnraum, der Lebensfreude vermitteln soll. Hier ist er in seiner Privatküche im 5. Bezirk zu sehen.

Share if you care.