Angst vor Freitag, dem 13.

12. März 2015, 16:17
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Die sinnstiftenden Unglücksfantasien trotzen jeder Statistik

foto: istockphoto

Pro
von Ronald Pohl

Der Rauchfangkehrer, der die Ofenklappe öffnete, weckte Argwohn. Sein Gesicht starrte vor Schwärze. Seine Umgangsformen trugen nicht eben dazu bei, meine Unruhe zu verscheuchen.

Der Tag hatte schlecht begonnen. Beim Bürsten des widerspenstigen Haares war mir der Spiegel heruntergefallen. Es dauerte Stunden, bis alle Splitter aus der Fußsohle waren. Ich bin nicht grundsätzlich abergläubisch. Ich winke freundlich den Schäfchen, wenn sie mir linker Hand begegnen. Vergangene Nacht hatte ich die Wäsche auf dem Balkon hängen lassen. Prompt war die Hexe hindurchgefahren.

Als ich die Laken vom Strick herunterschneiden wollte, fiel mein Blick auf den Boden. Da lag ein blitzendes Messer! Sofort klopfte ich dreimal auf den Boden. Eine schwarze Katze hüpfte über das Geländer. Mir wurde schwül zumute. Tatsächlich, ich hatte gestern den Kehricht aus dem Haus getragen! Ich blickte auf den Kalender: "Freitag, der 13." Wenn ich einen Knopf des Rauchfangkehrers berührte, würde der Tag vielleicht zu retten sein.

Kontra
von Margarete Affenzeller

Wer mit der Triskaidekaphobie nicht genug hat, der wendet sich eben der Paraskavedekatriaphobie zu. Logisch. Denn Letztere (die Angst vor Freitag, dem 13.) überflügelt Erstere (die bloße Panik vor der Zahl 13) an Schicksalsträchtigkeit. Da kulminieren tradierte, in Wahrheit aber auf nichts als schön formulierten Hirngespinsten basierende Unglücksfantasien. 13 - das "Dutzend des Teufels" usw.

Zwar berichten Versicherungen von weniger Schadensfällen an solchen Freitagen. Der Börsenkrach am "schwarzen Freitag" 1929 fiel in Wahrheit auf einen Donnerstag. Und auch an der Costa-Concordia-Havarie (13. 1. 2012) trägt nicht das Datum Schuld. Doch da sich besonders der Österreicher wesentlich mehr freut, wenn er Pech hat, als wenn ihm das Glück hold ist (weil er sich dann nämlich sehr arm und ungerecht behandelt vorkommen darf), kann keine Statistik der Welt etwas gegen diesen Volksglauben ausrichten. Jedes auf den süßen Belag gefallene Marmeladenbrot will heutzutage sinnstiftend interpretiert werden, obwohl es darauf einfach kein Recht hat. Hat es nicht.

(Rondo, DER STANDARD, 13.3.2015)

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