Betrugsprozess in Wien: Die Sonderangebote, die es nicht gab

11. März 2015, 08:00
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Ein bisher Unbescholtener versprach Passanten, günstig Elektrogeräte und Handys besorgen zu können. Manche gaben ihm ihre alten Mobiltelefone und Geld

Wien - Bis zum vergangenen Mai hatte Abduhla T. ein recht normales Leben. Er hatte sich zum Filialleiter einer Fastfoodkette hochgearbeitet, war verheiratet, nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Dann wurde er geschieden, arbeitslos - und kriminell. Der 51-Jährige muss sich vor Richterin Olivia-Nina Frigo wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten.

T. muss ein kommunikativer Typ sein. Mehr oder weniger wahllos sprach er Menschen an verschiedenen Orten an. Mit guten Angeboten. Er sei Lagerleiter bei einer Elektronikkette, erzählte er den Opfern - falls jemand einen Job brauche, könne er einen vermitteln. Und: Einmal im Monat dürfe er ein Gerät um 60 bis 70 Prozent unter dem normalen Preis kaufen. Und: Er könne Handys günstig gegen neuere Modelle austauschen und die auch gleich entsperren.

Fernseher und neue Handys angeboten

Über zehn Männer und Frauen glaubten ihm. T. muss dabei so überzeugend gewesen sein, dass manche ihm sofort ihre teils teuren Handys zwecks Umtauschs gleich in die Hand drückten oder Anzahlungen für Flachbildfernseher oder Laptops tätigten. Wenn sie dann mehrere Stunden auf seine Rückkehr gewartet hatten, dämmerte ihnen, dass das Sonderangebot doch keines war.

T. ist geständig und auch bereit, den Großteil des Schadens wieder zu begleichen. Die erbeuteten Handys kann er nicht zurückgeben, er hat sie verkauft. Seine Verteidigerin Alexandra Cervinka gibt auch eine positive Zukunftsprognose ab: "Er wurde aus der Bahn geworfen. Das ist ein Grund, aber keine Entschuldigung. Dennoch ist er kein klassischer Täter und will nach der Haft sofort wieder arbeiten."

Frigo glaubt ihr das. Bei einem Strafrahmen von sechs Monaten bis fünf Jahren Haft verurteilt sie T. rechtskräftig zu zwölf Monaten, davon vier unbedingt. Die Unbescholtenheit und das Geständnis sind für sie die Milderungsgründe. (Michael Möseneder, derStandard.at, 10.3.2015)

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