Aufregung um Masern-Fälle in der Steiermark

10. März 2015, 13:52
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Schwesternschülerin und Zivildiener haben sich bei Kind angesteckt - Dutzende Personen könnten sich infiziert haben

Graz - Mehrere Masern-Fälle sorgen in der Steiermark für Aufregung: Eine nicht geimpfte Schwesternschülerin hat sich in Graz bei einem Kind angesteckt, ebenso ein Zivildiener, wie am Dienstag bekannt wurde. Die Praktikantin soll danach mit mehr als 150 Menschen Kontakt gehabt haben, von denen wiederum Dutzende nicht geimpft sein sollen. Laut Landessanitätsdirektion ist "jetzt die Lawine losgetreten".

Die angehende Krankenschwester hat sich während ihres Praktikums an der Grazer Kinderklinik bei einem Kind infiziert. Ursula Schreiber von der Landessanitätsdirektion sagte: "Wir rechnen fix mit weiteren Fällen. Eine gemeinsame Busfahrt reicht, um sich ohne Schutz mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit anzustecken." Sie konnte nicht genau sagen, mit wie vielen Menschen und vor allem nicht geimpften Personen die Schülerin und der Zivildiener in Kontakt waren. "Die Impfung ist seit Jahren gratis, jeder hätte die Chance gehabt, und zu wenige haben sie genutzt", kritisierte die Expertin.

Durchimpfungsrate unter 80 Prozent

Sie warnte, dass nun eine Welle ausbrechen könne, denn die Durchimpfungsrate bei Masern liege in der Steiermark und Österreich bei unter 80 Prozent: "Das ist zu wenig für eine Herdenimmunität." Sie empfiehlt allen, die noch nicht ausreichend geimpft sind, es nun zu tun. Mit den Impfverweigerern sei es "müßig zu diskutieren", doch wäre die Durchimpfungsrate höher, müsste man nun auch nicht vor einer starken Ausbreitung fürchten.

Masern zählen zu den hoch ansteckenden Krankheiten. Wer nicht geimpft ist, kann sich bei einem Erkrankten schon eine Woche vor und etwa vier Tage nach dem Ausschlag anstecken. Viele infizierte Personen würden die Symptome am Anfang mit einer Grippe verwechseln, denn es beginnt mit Husten, Schnupfen und Bindehautproblemen, erklärte Schreiber. Bei einem von 1.000 Fällen ende der Verlauf der Masern mit dem Tod.

Die erkrankte Schwesternschülerin ist seit Samstag stationär im Spital aufgenommen und wird behandelt. Der Zivildiener soll sich laut Schreiber zu Hause auskurieren. Er soll das Wochenende nicht aus gewesen sein, sagte die Expertin, gab aber zu bedenken, dass jeder Mensch soziale Kontakte habe. Eine Prognose, wie viele sich bei den beiden angesteckt haben, wollte Schreiber nicht abgeben: "Das hängt vom Impfstatus jener ab, die mit den beiden in Kontakt waren."

Bessere Überprüfung gefordert

Der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner forderte eine Verbesserung bei der Überprüfung des Impfschutzes für Beschäftigte im Gesundheitsbereich. Vor allen im Ambulanzen, in Kinderabteilungen, in Intensivstationen und im Empfangsbereich von Krankenhäusern sollten die Beschäftigten geimpft sein. (APA, 10.3.2015)

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