LaChapelle sorgte 2014 für den meisten Betrieb beim Werberat

10. März 2015, 14:49
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Fiel trotz 410 Beschwerden aber nicht in Zuständigkeit des Gremiums - 18 Aufforderungen zum Kampagnen-Stopp

Wien - Auch wenn es nur in Wien affichiert war, beschäftigte es den Österreichischen Werberat im Jahr 2014 am großflächigsten: Das Plakatsujet zur Bewerbung der Kunstausstellung des Fotografen David LaChapelle und das Life Ball Poster erregte gleich 410 Leute dermaßen, dass sie sich mit einer Beschwerde an das Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft wandten, um einen Stopp zu fordern.

Als häufigster Grund wurde ein Verstoß gegen "Ethik und Moral" genannt, aber auch "Gefährdung von Kindern und Jugendlichen" oder "Verletzung religiöser Gefühle". Stein des Anstoßes war das Transgender-Model Carmen Carrera, das LaChapelle unter dem Motto "Ich bin Adam - Ich bin Eva - Ich bin ich" nackt in einem "Garten der Lüste" - und zwar sowohl mit männlichen als auch weiblichen Geschlechtsteilen inszenierte. Der Life Ball trat mit Logo und als Sponsor in Erscheinung.

641 Beschwerden

Nur: Das Kunstplakat hat dem Werberat und seinen Aktivitäten zwar Aufmerksamkeit gebracht, es fällt aber nicht in seine Zuständigkeit. Geprüft wird ausschließlich Wirtschaftswerbung. Und die recht oft, wie die Zahlen aus dem Jahr 2014 beweisen, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz präsentiert wurden. Insgesamt war das Gremium 2014 mit 641 Beschwerden konfrontiert. Rechnet man jene 410 über das La Chapelle-Plakat weg, so waren es immerhin noch 231 und somit um 20 mehr als im Jahr 2013.

Die Selbstregulierung innerhalb der Werbebranche funktioniere, resümierte Michael Straberger, Präsident des Werberats. Beschwerden, die kein Fall für den Werberat sind, werden weitergeleitet - etwa an die jeweiligen Institutionen oder im konkreten Fall an die Life Ball Organisatoren.

18 "Stopps" bei 185 Entscheidungen

2014 fällte der Werberat 185 Entscheidungen - um 40 mehr als im Jahr 2013. 18 Kampagnen wurden zum "Stopp" aufgefordert, bei 29 wurde zur Sensibilisierung aufgerufen und bei 56 Entscheidungen konnte kein Verstoß gegen den Ethik-Kodex der Werbewirtschaft konstatiert werden. 21 Unternehmen zogen ihre Werbung bereits unmittelbar nach Tätigwerden des Kontrollorgans zurück, ohne dass es zu einem Urteil kam.

Geschlechterdiskriminierung als häufigster Grund

Sexistische Werbung war mit 89 Entscheidungen wie schon in den Jahren zuvor der Hauptgrund für Beschwerden. Es folgen "Ethik und Moral" (24) und "Irreführung und Täuschung" (20). Eine Zunahme gibt es bei der "Gefährdung von Kindern und Jugendlichen" mit 15 Entscheidungen. Allerdings wurde in keinem der Fälle eine Aufforderung zum Stopp ausgesprochen. Der Werberat weist nicht gesondert aus, welches Urteil den behandelten Beschwerden zugrunde liegt.

Sexistische Werbung

Der überwiegende Teil der Meldungen über geschlechterdiskriminierende Werbung betraf Sexismus gegenüber Frauen. Nur in einem Fall, so viel wurde verraten, war auf einem Sujet ein nackter Männer abgebildet - ein "rattenscharfer Schädlingsbekämpfer". Der Werberat verlangte einen Stopp der Kampagne. Um solchen Botschaften nicht noch mehr Publizität zu verschaffen, möchte der Werberat die inkriminierten Anzeigen nicht veröffentlichen.

Als positives Beispiel wurde ein TV-Spot von "Müller Joghurt" erwähnt. In der ersten Version war vom "Papa, der dir eine schmiert" die Rede. Nach Beschwerden hieß es in der adaptierten Version nicht mehr schmiert sondern "explodiert".

Vorher:

frank unbekannt

Nachher:

muellermilch

Der Werberat besteht aus 13 Trägerverbänden und 212 Werberäten, die sich aus Medien, Werbeagenturen, werbetreibenden Unternehmen, aber auch Anwälten, Psychologen oder NGO-Vertreter zusammensetzen. (omark, derStandard.at, 10.3.2015)

  • Für die Beschwerdeflut verantwortlich: das Sujet von David LaChapelle.
    foto: apa/life ball

    Für die Beschwerdeflut verantwortlich: das Sujet von David LaChapelle.

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