Die Fehler von Chefs sind tabu

10. März 2015, 13:03
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In zwei von drei deutschen Betrieben machen Chefs keine Fehler - zumindest darf davon keine Rede sein, zeigt eine neue Umfrage

Konfliktkultur ist ein beflügeltes Wort. Längst ist es common sense in Unternehmen, dass über Fehler gesprochen werden soll, um diese künftig zu vermeiden. Eine in Deutschland von der Personalberatung Rochus Mummert durchgeführte Umfrage unter Führungskräften im Personalbereich von rund 70 mittelständischen Unternehmen und 1000 Arbeitnehmern zeigt, dass die Fehler von Vorgesetzten aber weitgehend tabu sind.

Über Fehler sprechen und davon profitieren

Offener werde in den deutschen Unternehmen über familiäre oder gesundheitliche Probleme geredet, Fehlleistungen der Führungskräfte aber nicht besprochen. Hans Schlipar, Studienleiter und Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe hält dies für falsch: "Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren." Am besten solle dies von den Top-Führungskräften selbst vorangetrieben werden, sagt Schlipat. "Denn das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird." Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene sei essentiell, um einen kulturellen Wandel in Unternehmen zu bewirken, sagt der Studienleiter weiters. Unternehmen, denen dieser Wandel gelinge, profitieren. So zeichnen sich laut der Studie ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert werden.

Nur Gehalt noch größeres Tabu

Die Personalberatung schreibt in den Ergebnissen außerdem, dass in deutschen Büros nur noch über das Thema Gehalt weniger offen gesprochen wird, als über die Fehler von Chefs: Drei von vier Arbeitnehmern sagen, dass der Lohnzettel in ihrem Arbeitsalltag ein Tabuthema ist.

Wie wird Fehlerkultur in ihrem Unternehmen gelebt? Diskutieren Sie im Forum. (lhag, derStandard.at, 10.03.2015)

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