Tiroler "Inn-Piraten" wollen Kifferprozess zur "Realityshow" machen

Blog10. März 2015, 11:54
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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Innsbrucker Gemeinderat, Prozesstermin steht noch nicht fest

Die Tiroler "Inn-Piraten", die mit Alexander Ofer in Innsbruck auch einen Gemeinderat stellen, bekommen langsam Bammel. Jedoch nicht, weil bei Ofer am Montag die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft im Postkasten lag. "Nein, nein, wir müssen jetzt zusehen, dass wir das Thema klar mit unseren Werten besetzen. In drei Jahren wird in Tirol gewählt, und inzwischen springt ja selbst die ÖVP auf den Entkriminalisierungszug auf", sagt Ersatzgemeinderat und Parteigeschäftsführer Heinrich Stemeseder, der darauf anspielt, dass nun auch Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) den Besitz kleinerer Mengen Cannabis straffrei stellen möchte.

Denn genau dafür kämpfen die "Inn-Piraten" derzeit unter Einsatz des eigenen Leibes: Vor etwas mehr als einem halben Jahr hatten Ofer und Stemeseder unter dem Titel "THC4all" eine "wissenschaftliche Studie" gestartet, die Teilnehmern im Namen der Forschung die Lizenz zum Kiffen erteilen sollte. Mehr als 2.000 Menschen haben sich dafür angeblich angemeldet.

Zwei Kilo Marihuana für den Eigenbedarf

Die Staatsanwaltschaft überzeugte die Wissenschaftlichkeit des Unterfangens allerdings nicht. Bei einer Hausdurchsuchung in Ofers Wohnung fanden die Ermittler dann etwas mehr als zwei Kilogramm Marihuana, 500 Gramm Haschisch, 13 Gramm Kokain und 34.000 Euro. Alles für den Eigenbedarf, sagt der Politiker. Der Prozesstermin steht noch nicht fest.

Was die Innsbrucker Piraten allerdings schon jetzt wissen: "Der Prozess muss ein Medienspektakel werden. Ich denke an eine Art Realityshow, die ein österreichischer Privatsender produzieren könnte", sagt Stemeseder. Würde er tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt, könne er sich auch vorstellen, dass später im Gefängnis gedreht wird. Mit ihm und Ofer als "politischen Häftlingen" in den Hauptrollen.

"Hanfbank" weiterhin in Planung

Auf Nachfrage: Die meinen das ernst. "Das ist der Weg, die Entkriminalisierung zu erstreiten", beteuert Stemeseder. Natürlich gehe es auch darum, endlich wie mit den "Probanden" vereinbart, das Cannabis zu liefern. Die haben nämlich für die Teilnahme an der Studie bezahlt, in der Hoffnung, legal Marihuana beziehen zu können - weshalb auch der Vorwurf des Betrugs im Raum steht. "Erst erwirken wir durch das Verfahren die Entkriminalisierung, dann wird ausgeliefert", sagt Stemeseder.

Weiterhin in Planung sei die sogenannte "Hanfbank", über die der Cannabis-Bezug abgewickelt werden soll. "Nachdem das Projekt von der Staatsanwaltschaft torpediert wurde, wollen wir nun eine Aktiengesellschaft nach amerikanischen Recht gründen", erklärt Stemeseder. Wer noch immer vom Projekt der beiden überzeugt ist, könne sich für zehn Euro eine Aktie kaufen, die - sollte es tatsächlich zu einer Entkriminalisierung kommen - "sicher durch die Decke gehen wird", ist er überzeugt.

Sendersuche steht aus

Vorerst will Ofer gegen einige Punkte der Anklageschrift Einspruch erheben. Stemeseder arbeitet nach eigener Schilderung derzeit "wie ein Berserker". Schließlich muss erst auch noch ein Fernsehsender für die Übertragung des neuen Formats gefunden werden. "Gemeinderat Ofer wird im Laufe des Prozesses dann vom Saulus zum Paulus aufsteigen", sagt Stemeseder. (Katharina Mittelstaedt, derStandard.at, 10.3.2015)

  • "Erst erwirken wir durch das Verfahren die Entkriminalisierung, dann wird ausgeliefert", sagt der Innsbrucker Ersatzgemeinderat Heinrich Stemeseder.
    foto: reuters

    "Erst erwirken wir durch das Verfahren die Entkriminalisierung, dann wird ausgeliefert", sagt der Innsbrucker Ersatzgemeinderat Heinrich Stemeseder.

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