Credit Suisse: Boni-König Dougan muss gehen

10. März 2015, 07:51
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Brady Dougan gehörte zu den bestverdienenden Bankern der Welt. Mit seinem Rücktritt endet eine Ära, die Nachfolge tritt Tidjane Thiam an

Zürich - Führungswechsel bei Credit Suisse : Der Chef der Schweizer Großbank Brady Dougan tritt zurück. Nachfolger wird der Chef des britischen Versicherers Prudential, Tidjane Thiam, wie Credit Suisse am Dienstag mitteilte.

Brady Dougan gehörte zu den bestverdienenden Bankern der Welt. Rund 12 Mio. Franken (11,2 Mio. Euro) betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen während seiner Amtszeit, wenn von in den Jahresberichten ausgewiesenen Werten ausgegangen und der viel kritisierte Sonderbonus von 71 Mio. Franken von 2009 nicht eingerechnet wird.

Zusammen mit dem Grundlohn von 19,2 Millionen hob der Sonderbonus die Gesamtentschädigung Dougans 2009 auf gut 90 Mio. Franken. Das trug ihm nicht nur den Ruf des "Boni-Königs" ein, sondern befeuerte auch die Debatte über die "Abzocker" in den Chefetagen.

Schon der Anfangslohn des Amerikaners hatte sich sehen lassen können: 22,3 Mio. Franken verdiente er 2007 in den ersten acht Monaten seiner Amtszeit als CEO. Im Jahr der Lehmann-Pleite 2008 tauchte Dougans Salär dann vorübergehend auf den Tiefststand von 2,9 Mio. Franken.

Mäßigung

Nach den bis in den Bundesrat hinauf kritisierten Lohnexzessen von 2009 auferlegte sich die Finanzindustrie etwas Mäßigung. Von 12,8 Mio. im Jahr 2010 gingen Dougans Bezüge bis 2011 auf 5,8 Mio. Franken zurück. 2012 betrug sein Gehalt 7,8 Millionen, 2013 9,8 Millionen. Für 2014 sind die Zahlen noch nicht bekannt.

Dougan, der seit 2007 an der Spitze der zweitgrößten Schweizer Bank steht, bleibe noch bis Juni 2015 im Amt, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. "Ich bin überrascht und trotzdem erleichtert", erklärte ein Vermögensverwalter.

Einen Grund für den Rücktritt des 1959 geborenen Amerikaners nannte Credit Suisse nicht. "Ich danke Brady Dougan für seinen außergewöhnlichen Einsatz und außerordentlichen Leistungen in mehr als 25 Jahren für die Bank", erklärte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Dougan habe Credit Suisse trotz sehr anspruchsvoller Rahmenbedingungen für die Finanzbranche auf Kurs gehalten und schwierigste Herausforderungen gemeistert.

Manöver nach Lehman-Pleite

Dougan gehört wie Jamie Dimon von JP Morgan und Lloyd Blankfein von Goldman Sachs zu den wenigen Chefs von internationalen Großbanken, die nach der Finanzkrise im Amt geblieben sind. Wie er Credit Suisse durch die Turbulenzen nach der Lehman-Pleite lenkte, brachte ihm Anerkennung bei Investoren ein. Rücktrittsforderungen kamen allerdings im vergangenen Jahr auf, nachdem sich Credit Suisse im Steuerstreit mit den US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt hatte. Das Bankhaus zahlte die höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte und gab ein Schuldbekenntnis ab, sicherte sich dafür aber die wichtige Lizenz in New York. Außerdem kritisierten Analysten Dougan, weil er anders als der heimische Rivale UBS an seiner Strategie im Investmentbanking festhielt.

Der künftige Credit-Suisse-Chef Thiam ist in der Elfenbeinküste geboren und wuchs in Frankreich auf. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit bei der Unternehmensberatung McKinsey amtierte er in der Elfenbeinküste als Minister für Planung und Entwicklung. 2009 übernahm er den Chefsessel bei Prudential. Thiam ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. (Reuters, 10.3.2015)

  • Brady Dougan leitete seit 2007 die Geschicke der zweitgrößten Schweizer Bank.
    foto: reuters/arnd wiegmann

    Brady Dougan leitete seit 2007 die Geschicke der zweitgrößten Schweizer Bank.

  • Jetzt wird er von Tidjane Thiam abgelöst.
    foto: reuters/plunkett

    Jetzt wird er von Tidjane Thiam abgelöst.

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