EZB startete Großintervention

9. März 2015, 19:50
45 Postings

Die Europäische Zentralbank kauft rege Staatsanleihen von Euroländern auf. Die ersten Reaktionen am Markt fallen wie gewünscht aus

Wien - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr über eine Billion Euro schweres Anleihen-Kaufprogramm am Montag gestartet und damit eine neue geldpolitische Ära in Europa eingeleitet. Die EZB bestätigte auf Twitter den erwarteten Beginn der Käufe. Auch die Deutsche Bundesbank, die Zentralbanken in Frankreich und Belgien nahmen bereits an der Kaufaktion teil.

Die Oesterreichische Notenbank (OeNB) in Wien wollte dagegen den erfolgten Start - also den ersten abgeschlossenen Deal - am Montag nicht bestätigen.

Die EZB und die nationalen Notenbanken wollen bis voraussichtlich September 2016 Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Wert von rund 60 Milliarden Euro pro Monat kaufen. EZB-Präsident Mario Draghi will mit der Geldflut - die Notenbank schöpft das Geld für das Programm selbst - der Konjunktur im Währungsraum auf die Sprünge helfen und die zuletzt gefährlich niedrige Inflation wieder in Richtung der Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Die EZB wird damit der wichtigste Spieler auf dem europäischen Anleihenmarkt.

Renditen gesunken

Einem Händler zufolge wurden deutsche, französische und belgische Bonds an die entsprechenden nationalen Notenbanken verkauft. Der Start des von Fachleuten als "Quantitative Easing" (QE) bezeichneten Programms ließ die Rendite der meisten europäischen Staatsanleihen bereits in den vergangenen Wochen deutlich zurückgehen und neue Tiefststände erreichen. Das ist auch das erklärte Ziel von QE:

Wenn die EZB und nationale Notenbanken massenhaft Staatspapiere kaufen, steigen die Anleihenkurse und die Renditen sinken entsprechend. Banken, Versicherungen und Pensionsfonds werden dadurch aus diesen Anlageinstrumenten herausgedrängt, da sie weniger Zinserträge abwerfen. Idealerweise vergeben sie dann mehr Kredite - was der Wirtschaft helfen würde - oder investieren in die Realwirtschaft. Zugleich soll die Geldflut den Euro schwächen - was Exporteuren hilft.

Im Sinne der EZB war der Auftakt des Programmes jedenfalls erfolgreich. Die Renditen deutscher und österreichischer Staatspapiere gaben am Montag erneut nach - bei zehnjährigen Staatsanleihen der Republik Österreich ging die Rendite etwa von rund 0,5 auf 0,4 Prozent zurück. Auch die Renditen italienischer und spanischer Anleihen fielen erneut. Der Euro gab gegenüber dem Dollar im Tagesverlauf leicht nach, bewegte sich aber insgesamt kaum vom Fleck.

Keine Alternativen

Der Rückgang der Renditen sei ein klares Anzeichen dafür, dass die EZB aktiv erfolgreich geworden ist, sagte Valentin Hofstätter, Analyst bei der Raiffeisen Bank International (RBI), dem STANDARD. Insgesamt sieht Hofstätter die Aktion aber kritisch: Denn auch wenn die EZB Investoren aus Staatsanleihen drängt, gebe es für Banken und Versicherungen aktuell kaum alternative Investmentmöglichkeiten.

Hofstätter geht zwar davon aus, dass die Konjunktur im Euroraum anziehen wird. "Allerdings nicht wegen der Interventionen der EZB". Vielmehr würden der Wirtschaft aktuell der niedrige Ölpreis, die gute Konjunkturlage in den USA und der sich abschwächende Sparzwang in Südeuropa helfen.

Eine große Frage wird nun in den kommenden Monaten sein, ob die EZB überhaupt die angestrebten Kaufvolumina erreichen kann. Denn für Geschäftsbanken sind Staatsanleihen sehr attraktiv - auch aus regulatorischen Gründen. Denn Staatsanleihen werden nach den Kapitalvorschriften als risikolos bewertet und müssen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Für andere Anlageformen gilt das nicht. Die Bereitschaft, sich von den Papieren zu trennen, ist möglicherweise also innerhalb des Bankensystems nicht besonders hoch. (szi, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • Auftakt nach Plan: Die Europäische Zentralbank in Frankfurt - hier ihre neue Zentrale - ist seit Montag am Markt für Staatspapiere aktiv.
    foto: dpa/boris roessler

    Auftakt nach Plan: Die Europäische Zentralbank in Frankfurt - hier ihre neue Zentrale - ist seit Montag am Markt für Staatspapiere aktiv.

Share if you care.