Kirchenstaat lässt Bankgeheimnis fallen

10. März 2015, 07:00
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Papst Franziskus macht bei den Vatikan-Finanzen Tabula rasa. Italien und der Vatikan wollen bis Ostern ein Steuerabkommen unterzeichnen

Mailand - Nicht nur Finanzplätze wie die Schweiz, Liechtenstein und Monaco haben seit Jahresbeginn mit Italien bilaterale Abkommen ihr Bankgeheimnis zu lüften. Nun hat Roms Regierungschef Matteo Renzi damit überrascht, dass auch der Kirchenstaat ein entsprechendes Abkommen unterzeichnen werde.

Vatikan-Pressesprecher Pater Federico Lombardi hat laufende Gespräche bestätigt. Angeblich soll der Deal noch bis Ostern unterschrieben werden.

Papst Franziskus macht bei den Vatikan-Finanzen tatsächlich Tabula rasa: Geheime Bankkonten bei der Vatikanbank IOR sollen aufgedeckt werden. Bereits im vergangenen Sommer hatte der ehemalige IOR-Präsident Ernst von Freyberg erklärt, dass sämtliche IOR-Kunden in Zukunft die Steuern in ihren Herkunftsländern bezahlen müssen. Seit gut einem Jahr wurden 18.900 Konten der Vatikanbank von 25 Finanzexperten der US-Unternehmensberatung Promontory durchleuchtet. Sie überprüften, ob die Kontoinhaber tatsächlich die eingetragenen Kleriker, Ordensgemeinschaften oder Vatikan-Bediensteten und die Finanzbewegungen einwandfrei sind. 3000 Konten wurden geschlossen, davon waren 775 auf "nichtklerikale" Kunden zurückzuführen.

Strafnachlass

Italien hat zu Jahresbeginn Bestimmungen erlassen, wonach die Kapitalrückfuhr erleichtert wird. Durch das sogenannte "voluntary disclosure" werden die auf die Kapitalausfuhr gewöhnlich erlassenen Strafen halbiert. Die Bedingungen gelten bis kommenden September. Bis dahin erwartet der Fiskus Nettoeinnahmen von mindestens fünf Milliarden Euro.

Für den Kirchenstaat bedeutet das Aufheben des Bankgeheimnisses nicht nur, dass er endgültig von der schwarzen Liste gestrichen wird. Es bedeutet auch das Ende jahrzehntelanger zwiespältiger Beziehungen, nachdem bei der Vatikanbank IOR in den vergangenen Jahren nicht nur mächtige Politiker, sondern auch Mafiabosse und Unternehmer ihre Geheimkonten gehabt haben sollen.

Ende der Vorwoche ist der langjährige IOR-Mitarbeiter Gianfranco Mammi zum neuen Vizegeneraldirektor der Vatikanbank ernannt worden.

Der 59-Jährige war zuletzt vor allem für die italienischen und südamerikanischen Kunden zuständig. Er besetzt den seit 2013 vakanten Posten, den Marco Tulli bis dahin innehatte. Tulli wird unter anderem der Korruption verdächtigt. Angefangen hatte Mammi 1992 am Kassenschalter des Geldinstituts. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • In der Vatikanbank werden 18.900 Konten überprüft, ob die Finanzbewegungen legal waren.
    epa/ior

    In der Vatikanbank werden 18.900 Konten überprüft, ob die Finanzbewegungen legal waren.

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