Großbank: Ansteckung durch Hypo-Schuldenschnitt droht

9. März 2015, 18:52
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Vom Schuldenschnitt der Hypo-Nachfolgerin Heta gehe Ansteckungsgefahr aus. Bei der Großbank Barclays verursacht vor allem der drohende Ausfall von Sicherheiten Kopfweh

Wien - Panikmache von betroffenen Gläubigern oder ernste Bedenken? Derzeit lässt sich kaum beurteilen, wie ernst negative Urteile über den geplanten Schuldenschnitt der Hypo-Abbaueinheit Heta zu nehmen sind. Faktum ist: Die österreichische Vorgangsweise wird zunehmend auch auf internationaler Ebene diskutiert. Die Herabstufung Kärntens durch die Ratingagentur Moody's auf gerade noch eine Stufe über Ramsch war erst der Anfang.

Am Wochenende sorgte ein Kolumnist des Daily Telegraph für Aufmerksamkeit, in dem von einem "Mini-Griechenland, das sich im Herzen Europas abspielt", die Rede war. Fundierter, aber nicht weniger kritisch, fällt eine neue Analyse der Investmentbank Barclays aus. Sie warnt vor der Ansteckungsgefahr, die von dem geplanten Haircut der Heta ausgeht. Und das beileibe nicht nur in Österreich.

Kurzer Rückblick: Am Sonntag vor einer Woche hat die frühere Hypo Alpe Adria ein Zahlungsmoratorium für 15 Monate verhängt. Bis dorthin sollen Kreditgeber zu einem Forderungsverzicht bewogen werden. Die Kärntner Haftung für mehr als zehn Milliarden Euro an Heta-Anleihen bleibt weiter aufrecht. Sollten Gläubiger ihre Ansprüche in Klagenfurt einfordern, würde Kärnten mangels Vermögen schlagartig umfallen.

Internationale Verflechtungen

Barclays macht nun auf die internationalen Verflechtungen auf dem Anleihenmarkt aufmerksam, vor allem für Covered Bonds. Bei diesen Kreditformen gibt es einen Pool an Sicherheiten, auf den Gläubiger im Fall der Fälle zurückgreifen können. Allein österreichische Banken haben sogenannte Covered Bonds im Umfang von 19 Milliarden Euro begeben. Von den Vermögenswerten, die als Sicherheiten dienen, entfallen 2,7 Milliarden auf Anleihen mit Kärntner Haftung. Diese Bonds wurden nicht nur in Österreich, sondern auch in Luxemburg, Deutschland oder Frankreich begeben. Dazu kommen jene 1,2 Milliarden, welche die Heta über die Pfandbriefstelle vergeben hat und für die nun andere Hypos, respektive Bundesländer, geradestehen sollen.

Hart treffen könnte die Zahlungssperre der Heta die anderen Hypos auch über direkte Ausleihungen. Diese Forderungen wurden bisher laut Barclays wegen der Kärntner Haftung nicht wertberichtigt und beziehen sich auf die Bilanzen von Vorarlberger und Niederösterreichischer Hypo. Dass nach jüngsten Ereignissen künftig Vorsorgen gebildet werden müssen, hält die Investmentbank für "sehr wahrscheinlich".

Haftungen höher als Budget

Die Turbulenzen könnten aber noch zunehmen, hafteten die Länder Ende 2013 doch für 60 Milliarden Euro, die im Zusammenhang mit den Landesbanken stehen. In der Zwischenzeit sei das Volumen wohl auf 50 bis 55 Milliarden Euro gesunken, schätzt Barclays. Außer in der Steiermark, in Salzburg und in Wien übersteigen die Haftungen in allen Bundesländern ein Jahresbudget. Weitere Herabstufungen würden vor allem kleinere und mittlere Banken mit verhältnismäßig hohem Engagement in der jeweiligen Region treffen. Ebenfalls laut Barclays stark von den Ereignissen betroffen ist die auf Gemeindefinanzierungen spezialisierte Kommunalkredit. Der Bund will die notverstaatlichte Bank gerade verkaufen.

Barclays rät nun Investoren unverblümt, aus gewissen Investments in Österreich auszusteigen. Von Regionalbanken mit öffentlichen Papieren besicherte Bonds sollten verkauft werden. Genannt wird etwa eine Schuldverschreibung der Hypo Niederösterreich, von der Anleger in eine norwegische Hypothekenanleihe switchen sollten. Diese Empfehlung könnte die österreichischen Hypos in ihrer Refinanzierung weiter unter Druck bringen. Die Kosten der Geldaufnahme haben sich für den Sektor in den vergangenen Tagen ohnehin stark erhöht. (as, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • Finanzminister Hans Jörg Schelling hält Vergleiche zwischen Heta und Griechenland für "völlig unangemessen".

    Finanzminister Hans Jörg Schelling hält Vergleiche zwischen Heta und Griechenland für "völlig unangemessen".

  • Die Bundesländer haften für Hypo und Co.
    grafik: apa

    Die Bundesländer haften für Hypo und Co.

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