Berlusconis juristische Albträume gehen weiter

10. März 2015, 05:30
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Italiens Höchstgericht entscheidet im Fall "Ruby Rubacuori" - Weitere belastende Verfahren stehen an

Lange konnte sich Silvio Berlusconi seiner wiedergewonnenen Freiheit nicht erfreuen: Seit seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Sozialdienst am vergangenen Freitag bis zum nächsten Gerichtstermin am Dienstag lagen nur wenige Tage. Der Kassationsgerichtshof in Rom wird heute in dritter und letzter Instanz das Urteil im "Fall Ruby" fällen.

In dem Verfahren wird dem heute 78-jährigen ehemaligen Regierungschef Bezahlsex mit der damals minderjährigen Gelegenheitsprostituierten Karima el-Mahroug alias Ruby Rubacuori sowie Amtsmissbrauch vorgeworfen. In erster Instanz war er zu sieben Jahren Haft verurteilt, in der zweiten Instanz mangels Beweisen freigesprochen worden.

Bestechung von Zeugen ...

Das Gericht kann nun entweder den Freispruch bestätigen - oder die Durchführung eines neuen Prozesses in der Vorinstanz anordnen. Letzteres würde bedeuten, dass der "Fall Ruby" neu aufgerollt würde. Doch auch bei einem Freispruch wäre Berlusconi die Gespenster nicht los; denn inzwischen läuft ein neues Verfahren wegen Zeugenbestechung.

Im Visier der Ermittler befinden sich neben Berlusconi dutzende junge Damen, die an Bunga-Bunga-Partys in Berlusconis Villen teilgenommen hatten, aber später vor Gericht die Version des Hausherrn bestätigten, dass es sich dabei bloß um "elegante Abendessen" gehandelt habe, bei denen es nie zu irgendwelchen Schlüpfrigkeiten gekommen sei.

... Hausdurchsuchungen ...

Nach Hausdurchsuchungen beim weiblichen Bunga-Bunga-Personal glauben die Staatsanwälte beweisen zu können, dass die entlastenden Aussagen von Berlusconi erkauft waren: Denn die Zeuginnen führen ein Leben, das sie sich mit normalen Einkünften gar nicht leisten könnten. Fast alle leben in prächtigen Wohnungen, die dem Immobilienimperium Berlusconis zuzuordnen sind; die meisten bezogen außerdem bis vor kurzem von Berlusconis Buchhalter eine monatliche Zuwendung von jeweils 2.500 Euro.

Zu unerklärlichem Wohlstand gekommen ist insbesondere Ruby: Sie ließ sich einen Kindergeburtstag für ihren Sohn 7.000 Euro kosten und gönnte sich einen neuntägigen Malediven-Urlaub für 60.000 Euro. Außerdem besitzt sie in Mexiko mehrere Häuser.

... Erpressung ...

Vieles deutet darauf hin, dass Berlusconi von einigen seiner ehemaligen Gespielinnen erpresst wird. So schrieb eine inzwischen in Genf wohnhafte Zeugin aus dem Ruby-Prozess unlängst an die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini, dass sie sich gerne mit ihr unterhalten würde. Kurz darauf präsentierte sich beim Buchhalter Berlusconis ein Freund der Zeugin; er wurde danach mit 6.000 Euro Bargeld an der Schweizer Grenze angehalten.

Für Berlusconi sind die Geheimnisse seiner Ex-Freundinnen nicht nur zu einem juristischen, sondern auch zu einem finanziellen Albtraum geworden - zusätzlich zu den 46.000 Euro an Alimenten, die Berlusconi an seine Ex-Gattin Veronica Lario bezahlen muss, und zwar täglich.

... und Falschaussagen

Hinzu kommen zwei weitere Verfahren: In Bari wird gegen einen Zuhälter ermittelt, der für seine Falschaussagen von Berlusconi 850.000 Euro kassiert haben soll. Und in Neapel ist der Ex-Premier angeklagt, den ehemaligen linken Senator Sergio De Gregorio mit drei Millionen Euro zu einem Politikwechsel animiert zu haben.

Auch politisch ist die Lage trüb: Berlusconis Forza Italia ist von Flügelkämpfen gebeutelt, und von der Autorität ihres Gründers ist kaum noch etwas übrig geblieben. In den Umfragen liegt die Partei bei elf Prozent. Die politische Bühne beherrschen inzwischen zwei 40-Jährige mit Vornamen Matteo: Lega-Nord-Chef Salvini und der sozialdemokratische Regierungschef Renzi. Da bleibt nicht mehr viel Raum für den bald 80-jährigen und mit einem Ämterverbot belegten Ex-Premier. (Dominik Straub aus Rom, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • Wegen "guter Führung" durfte Silvio Berlusconi seinen Sozialdienst sechs  Wochen früher als geplant beenden. Doch die Zukunft ist für den  78-Jährigen alles andere als rosig.
    foto: foto: reuters / a. bianchi

    Wegen "guter Führung" durfte Silvio Berlusconi seinen Sozialdienst sechs Wochen früher als geplant beenden. Doch die Zukunft ist für den 78-Jährigen alles andere als rosig.

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