Uni-Beauftragter will mehr Geld über Spenden gewinnen

10. März 2015, 05:30
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Van der Bellen: Stadt Wien zahlt derzeit rund 140 Millionen Euro der Hochschulgelder

Wien – Wien ist die größte Uni-Stadt im deutschsprachigen Raum. Dennoch fehle ihr dieses Selbstverständnis, meint der Uni-Beauftragte der Stadt Wien, Alexander Van der Bellen (Grüne), am Montag: "Es gibt kein Bewusstsein dafür. Wir müssen Hochschulen im öffentlichen Raum sichtbarer machen."

Die Wiener U-Bahn-Linie U2 klappert alle großen Universitäten ab. Die Stationen laufen von der Technischen Uni am Karlsplatz über die Uni Wien am Schottentor bis hin zur Krieau, wo die neue Wirtschaftsuni steht.

Wien habe die "größten Chancen, eine Forschungsmetropole zu werden". Dafür brauche es mehr Geld. Das von der Bundesregierung gesteckte Ziel, zwei Prozent des BIP in den tertiären Sektor zu stecken, sieht Van der Bellen in weiter Ferne. Es stehe "nur auf dem Papier" und würde von der Regierung "nicht ernst genommen". Österreich komme auf maximal 1,4 Prozent für den tertiären Sektor. "Diese fehlenden 0,6 Prozent sind jährlich zwei Milliarden Euro", rechnet Van der Bellen. Die zusätzlichen 615 Millionen Euro, die Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) für die nächsten drei Jahre gesamt zugesagt hat, sind ihm zu wenig.

Unterstützung für Novelle des Stiftungsrechts

Van der Bellen möchte daher anders ans Geld kommen: Finanzierungsausgleich zwischen Staaten, maßvolle Studiengebühren und Forschungsförderung. "Das Mäzenatentum steckt in Österreich noch in den Kinderschuhen. Dabei haben wir einige reiche Leute", sagt Van der Bellen. Einer ist Dietrich Mateschitz. 2013 spendete er der Salzburger Paracelsus-Medizin-Privatuni 70 Millionen Euro.

Um mehr Geld von Privaten zu lukrieren, unterstützt Van der Bellen die Änderungsbestrebungen von Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) im Stiftungsrecht.

Zudem spricht sich Van der Bellen für eine Entwirrung der Wissenschaftsagenden der Stadt aus. Derzeit sind verschiedene Stadträte und Magistrate zuständig. Die Ausgaben sind darum höher als angenommen.

Zu den geplanten 100 Millionen Euro kämen etwa noch Gelder für das Konservatorium (17 Millionen) und Mittel des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (5,1 Millionen) – insgesamt rund 140 Millionen Euro. "Wenn keiner weiß, wie viel ausgegeben wird, bestehen Parallelstrukturen."

Reform bei Rot-Weiß-Rot-Karte

Mitterlehners Reformpläne für die Rot-Weiß-Rot-Karte begrüßt Van der Bellen. Das jetzige System sei "absurd": kaum Studiengebühren für ausländische Studierende, die ein Viertel der Studierenden ausmachen. "Und wenn sie fertig sind, sagen wir: wiederschauen." Kartenanforderungen wie ein Mindesteinkommen lehnt er ab.

Die Wiener Linien konnte Van der Bellen überreden, per Logo auf Uni-Stätten hinzuweisen. (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • Alexander Van der Bellen sucht nach Möglichkeiten, mehr Geld für Hochschulen und Forschung aufzustellen.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Alexander Van der Bellen sucht nach Möglichkeiten, mehr Geld für Hochschulen und Forschung aufzustellen.

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