"Wollen dorthin, wo Honig und Nektar fließen"

14. März 2015, 09:00
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Die Entwickler der App Roomle haben sich für die Finanzierung bisher ausschließlich an Investoren gewandt. Warum der Weg zur Bank nicht gegangen wurde und wie das Investorenumfeld in Österreich wahrgenommen wird, erklärt der Roomle-Chef

Albert Ortig hat es geschafft – zumindest was die vorläufige Finanzierung seines Projekts betrifft. Ortig steckt hinter der App "Roomle", die es in die Apple-Bestenliste 2014 geschafft hat. Mit Roomle können Räume geplant und eingerichtet werden – in Kürze soll es auch möglich sein, die für die Planung angebotenen Möbel über die App zu kaufen.

Finanziert hat Ortig bisher alles über Investoren. Den Weg zur Bank hat er bewusst nicht angetreten, die Frage nach einem Kredit nie gestellt, "weil wir als Start-up ein hohes Risikopotenzial aufgewiesen haben. Das hätte für Banken wegen der mangelnden Sicherheiten nicht gepasst", sagt Ortig zum Standard.

Begonnen hat der Weg 2013, als man das Produkt so weit hatte, dass man Investoren auch etwas zeigen konnte. Angelaufen ist Roomle als Forschungsprojekt innerhalb der österreichischen Digital-Media-Agentur Netural, die Ortig 1998 gegründet hat. Von daher war auch das Startkapital für das Projekt vorhanden. Dann wurden Fördergelder über das Austria Wirtschaftsservice mobilisiert. Rund 200.000 Euro für das erste Jahr konnten über diesen Weg aufgestellt werden. "Das hat uns Zeit verschafft, uns viel Know-how zu holen" sagt Ortig. Im nächsten Schritt hat man sich an Venture-Capital-Geber gewandt, um Roomle aus Netural rauszukaufen und auf eigene Beine zu stellen. Mit der so eingesammelten Million Euro soll die Unternehmensentwicklung vorangetrieben werden.

"Österreich ist ein wirklich Start-up-freundliches Land", beschreibt Ortig. Es werde hierzulande immer noch unterschätzt, wie gute Unterstützung es vor Ort gebe. Klar, man müsse sich gut vorbereiten, Unterlagen präsentieren und Berechnungen vorlegen. "Wenn das alles passt, dann ist das Finanzierungsumfeld sehr partnerschaftlich", sagt Ortig. _

Um einen guten Kontakt zur Start-up-Szene zu bekommen, hat Ortig einen Berater engagiert. "Das Businessmodell zu erarbeiten war hart", blickt Ortig zurück. Hierbei sei der Berater sehr wertvoll gewesen. Auch bei den Vorbereitungen auf die Gespräche mit Investoren sei die Beratung sehr hilfreich gewesen. Dass die Geldgeber im Unternehmen auch mitreden, empfindet Ortig mehr als Vor- denn als Nachteil. "Das Know-how unserer Partner bringt uns als Unternehmen weiter", beschreibt der App-Erfinder den Austausch mit seinen Geldgebern.

Nachhaltigkeit

Glatt verlaufe die Gründung eines Unternehmens dennoch nie. Immer wieder stehe man vor Fragen, die nicht bedacht wurden. Könne man diese beantworten, gehe es weiter. Schwere Situationen hätten den Blick des momentan siebenköpfigen Teams auch schärfen lassen und mehr Klarheit in die Abläufe gebracht. "Unser Ziel ist es, etwas zu schaffen, das nachhaltige Implikationen hat und Jobs schafft", fasst Ortig seine Vision zusammen. Und: "Wir wollen dorthin kommen, wo Honig und Nektar fließen."

Die Benutzung der App ist kostenlos, verdienen will Roomle am Verkauf der Möbel und an den angebotenen Services. Rund 500.000 Nutzer kann Roomle bereits verbuchen, und das, obwohl laut Ortig noch keine offensive Werbung für die App gemacht wurde.

Die Möbel, die in einem ersten Schritt über die App verfügbar sein werden, stammen von Designern. Der klassische Möbelhandel soll aber rasch folgen. Weil man mit Roomle die Räume und deren Dimension genau berechnen kann, sollen Leute ihre Einrichtung auch leichter finden können. "Vorbei sind damit die Endlos-Wochenenden, die man in Möbelhäusern verbringt, und vorbei auch die Zeit, in der die Couch für das Wohnzimmer dann doch zu groß war", sagt Ortig. (Bettina Pfluger, Geldstandard, DER STANDARD, 13.3.2015)

  • Mit der Roomle-App können Räume und deren Dimension genau berechnet werden.
    foto: netural

    Mit der Roomle-App können Räume und deren Dimension genau berechnet werden.

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