Die mörderische Fee

9. März 2015, 17:11
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Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" an der Wiener Staatsoper

Wien - Zum Finale, als sie Sonjetka, der neuen Favoritin ihres Sergej, an den Kragen geht und mit ihr kämpfend im Fluss ertrinkt, hat Katerina schon zwei Morde hinter sich gebracht. Rattengiftige Pilze hat Katerina dem - sie demütigenden - Schwiegervater (eindrucksvoll Kurt Rydl als Boris) serviert. Später beseitigt sie mit Lover Sergej (exzellent Misha Didyk) auch noch die Quelle ihrer existenziellen und libidinösen Langeweile, also ihren Gatten Sinowi (solide Marian Talaba).

Orchestral hat Dmitri Schostakowitsch in Lady Macbeth von Mzensk nichts ausgelassen, um diese katastrophischen Zuspitzungen zirkushaft grell bis wild zu vertonen. Auch jene Charaktere, die sich um Katerina herum tummeln, werden musikalisch wenig schmeichelhaft gezeichnet. Katerina selbst jedoch bleibt bei Schostakowitsch regelrecht eine lyrische Fee des Mörderischen.

Melancholie prägt ihre kantablen Linien, verträumt und schließlich auch ein bisschen der Realität entrückt geht sie in den Tod: Als hätte der Komponist vor allem für sie Verständnis, als ginge es darum zu beweisen, dass die Verhältnisse der eigentliche Täter waren. Angela Denoke (als Katerina) ist bei dieser stilistischen Diktion natürlich eine Idealbesetzung.

Wie bei der Premiere (2009) berückt sie in der präzisen, sparsamen Inszenierung von Matthias Hartmann (nur bei den Gesetzeshütern wird es plakativ) durch Präsenz. Ihre Töne bleiben auch in lichter Höhe entspannt und voll lyrischer Intimität. Wobei der Umgang mit dem Vibrato, das, wo sinnvoll, erst am Ende eines Tones zum Einsatz kommt, hilft, selbigem ein gläsernes Gepräge zu verleihen.

Dirigent Ingo Metzmacher und das Staatsopernorchester decken nichts an vokaler Qualität zu. Dennoch werden Drastik wie Brutalität mancher Stellen impulsiv vermittelt, wie auch manch malerisches Zwischenspiel durch dunkle satte Farbigkeit besticht. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 10.3.2015)

11., 14. und 17. 3., 19.00

  • Impulsiv, lyrisch, imposant: die deutsche Sopranistin Angela Denoke (als Katerina) an der Wiener Staatsoper.
    foto: wiener staatsoper / michael pöhn

    Impulsiv, lyrisch, imposant: die deutsche Sopranistin Angela Denoke (als Katerina) an der Wiener Staatsoper.

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