Mit Moonshine durchs Mondlicht

9. März 2015, 17:07
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Der Soundtrack des Roadmovies "Thunder Road" mit Robert Mitchum wurde erstmals veröffentlicht

Wien - Robert Mitchum war schon cool, als das Wort zur Beschreibung eines Wesens noch gar nicht in Verwendung war. Der 1997 verstorbene US-Schauspieler mit dem verschlagenen Schlafzimmerblick war einer der erfolgreichsten Mimen seiner Zeit. Ein Gigant und Phlegmatiker, der etwas Animation zur Euphorie für seine Arbeit einforderte: "If you want my presence, pay me. If you want my interest, interest me."

Der 1917 geborene Mime galt als wandelndes Mysterium von erheblichem Talent, das er aber nur zu seinen Bedingungen einzusetzen bereits war. Lee Servers 2002 erschienene Biografie Baby, I Don't Care ist wohl eines der unterhaltsamsten Bücher, das je über einen Hollywoodschauspieler geschrieben wurde.

Doch Mitchums Coolness besaß durchaus ihre Perforationen. Natureuphorisch erwies er sich der Musik gegenüber. Im Jahr 1957 nahm er das cocktailselige Album Calypso Is Like So ... auf, zehn Jahre später That Man Robert Mitchum ... Sings. Das war eine Liedersammlung im Zeichen eines guten Tropfens am frühen Morgen inklusive des Herrenspitzklassikers Little Ole Wine Drinker Me. Und dann war da noch Ballad Of Thunder Road.

Eine Chiffre für Schnaps

So hieß das Titelstück des 1958 gedrehten Films Thunder Road, in dem Mitchum die Hauptrolle spielte und (namentlich nicht genannt) Co-Regie führte. Er schrieb die Geschichte, das Lied, und gesungen hat er es auch. Jetzt ist dieser Soundtrack erstmals aufgelegt worden, von den Feinspitzen des deutschen Labels Bear Family, das vor einer Weile schon den Soundtrack von The Night of the Hunter aufgelegt hat. Noch so ein Klassiker mit Mitchum am Gänsehautzenit seiner Kunst.

Thunder Road erzählt die Geschichte des Lucas Doolin, der zu Zeiten der Prohibition in den Bergen Kentuckys Moonshine vertreibt. Moonshine war eine Chiffre für illegal gebrannten Schnaps. Kilometerstein 375, wie der deutsche Verleihtitel lautet, war Hollywood damals zu dreckig, das Thema zu wild, die Uraufführung und der Vertrieb beschränkten sich auf die Gegend in den Südstaaten, in der die Handlung angesiedelt war. Schließlich kannte dort jeder die Geschichten über geheime Destillerien.

In den kleinen Familien- und Autokinos der Provinz entwickelte sich der Film zum Hit. In den 1970ern erlebte er ein Revival, das in den B-Movie-Sälen bis in die 1980er-Jahre andauerte. Im Foyer eines solchen hat Bruce Springsteen das Filmplakat gesehen und daraufhin den Song Thunder Road geschrieben.

Thunder Road ist ein hartes, kaltes Roadmovie, das heute neben Genrefilmen wie Two Lane Blacktop rangiert. Auf dem Filmplakat stand damals geschrieben: "Mitchum roars down the hottest highway on earth!" Dementsprechend klingt die Musik, wenngleich der Titelsong von Randy Sparks noch als Lagerfeuerballade interpretiert wird. Moonshine hat schließlich noch eine ursprüngliche Bedeutung. Doch Mitchums Version, mit hallenden Gitarren, einem gehetzten Rhythmus und nervösem Bass, wird dem Film eher gerecht.

Neben dem streicherschwangeren Filmscore mit kurzen Titeln der Sängerin Keely Smith fetten zusätzliche Versionen des Titelsongs die CD auf. Neben Mitchum überzeugt vor allem die Deutung seines Augenlidschwagers Sleepy La Beef. Oder jene des Surferduos Jim & Jesse, das seine Fantasie einer Verfolgungsfahrt für die Surfer der Westküste aufbereitet hat.

Die Nonchalance, mit der Mitchum abliefert, dieser Hobo, Dognapper, Marilyn-Monroe-Freund, Hinterhofboxer und Knastbruder, die erreichen sie alle nicht. Aber das hätte niemand ernsthaft erwartet. (Karl Fluch, DER STANDARD, 10.3.2015)

  • Robert Mitchum (mit Tschick) als Lucas Doolin in "Thunder Road". Der Soundtrack ist nun bei Bear Family erschienen.
    foto: picturedesk.com / mary evans picture library

    Robert Mitchum (mit Tschick) als Lucas Doolin in "Thunder Road". Der Soundtrack ist nun bei Bear Family erschienen.

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