"Secrets and Lies": Eiseskälte ist nicht nur ein Wort

10. März 2015, 08:00
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Wieder einmal wurde ein Kind ermordet, es gibt einen Hauptverdächtigen, dem niemand glaubt - klingt wie Dutzendware. Wäre da nicht Juliette Lewis als frostige Ermittlerin

Ganz ehrlich: langsam ermüdet das amerikanische Serienwunder. Jede Woche spucken Sender wie Webportale Premieren in einer Menge auf den Markt, dass einem Hören und Sehen buchstäblich vergehen könnte.

Krimi steht nach Erfolgsmodellen wie "Kommissarin Lund", "Broadchurch", "The Bridge" und "True Detective" international ohnehin hoch im Kurs. Nahezu unersättlich ist die Lust des Publikums auf Fernseherzählungen von Mord und Totschlag. Zu gut lässt sich der episodenhafte Charakter der Krimiliteratur auf serielle Sehgewohnheiten übertragen. Bei der Umsetzung trennt sich meist die Spreu vom Weizen, entpuppt sich manch heiß gepriesener Hit als der x-fach aufgewärmte Serieneintopf mit stets denselben Zutaten.

Die ersten Bilder von "Secrets and Lies" wirken tatsächlich, als hätte man sie tausendfach schon gesehen: Graublaues Licht, dunkler Wald, unglücksschwangere Atmosphäre, bedrohliche Musik - und ein Mensch, der panisch davon läuft. Ein Kind wurde ermordet. Braucht man das wirklich noch?

Juliette Lewis im glatt gebügelten Trenchcoat

"Furchtbar, was da passiert ist", sagt die Kommissarin und schaut dabei ins Handy. Die Mitleidsbekundung hat Methode. Detective Andrea Cornell trägt nicht nur einen Trenchcoat wie Inspector Columbo, ihre Art zu fragen, ist mindestens ebenso ausgefuchst.

Der Unterschied: Cornells Mantel ist glatt gebügelt - wie ihre Fragen. Mit Eiseskälte geht die Polizistin ihrem Verdacht nach, dass jener junge Mann, der die Leiche eines Kindes gefunden hat, auch sein Mörder ist. Und weil Juliette Lewis die Polizistin spielt, kann man sicher sein, dass Eiseskälte in diesem Kriminalfall nicht nur ein Wort ist. Der Zweiteiler hält sich sehr an die gleichnamige australische Serie aus dem Jahr 2014 mit dem wesentlichen Unterschied, dass in der Originalfassung ein männlicher Kommissar ermittelt.

Frostige Geschlechteroptik

Auch ohne die frostige Geschlechteroptik wurde die Serie in Australien hoch gelobt. Fakt ist, dass "Secrets and Lies" als Teil des Serienwunders in das Phänomen passt: hervorragendes Drehbuch, kühle Optik, dazu ein dialogfestes Ensemble und die charismatische Hauptdarstellerin. Aus einem Guss. Im Abokanal Universal Channel im Angebot von Sky. (prie, derStandard.at, 10.3.2015)

  • Juliette Lewis und Ryan Philippe in "Secrets & Lies".
    foto: sky / abc

    Juliette Lewis und Ryan Philippe in "Secrets & Lies".

  • ign

    Trailer zur US-Fassung von "Secrets & Lies" mit Ryan Philippe und Juliette Lewis.

  • cbc

    Trailer zur australischen Originalfassung mit Martin Henderson als Mordverdächtiger und Anthony Hayes als Detective Cornielle.

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