Aufruf zur Zeckenimpfung

9. März 2015, 12:46
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Nur noch 46 Prozent der Österreicher befinden sich im korrekten Impfschutz - mittlerweile gibt auch im Westen Österreichs zunehmend FMSE-Fälle

Gegen die FSME schützt nur die Impfung. Jetzt startet eine gemeinsame Informationskampagne mit dem Motto "Kein Bundesland ist frei von Zecken", die zur Impfung aufruft. Es ist eine gemeinsame Kampagne von Ärztekammer, Apothekerkammer, AUVA und Impfstoffhersteller Baxter (2014 von Pfizer gekauft).

Vergangenes Jahr gab es in Österreich 80 Erkrankungen (2013: 98). Nur noch 46 Prozent der Österreicher befinden sich aktuell im korrekten und somit zu 99 Prozent wirksamen Impfschutz, heißt es in einer Aussendung.

Geänderte Verbreitung

In den vergangenen zehn Jahren schwankte die Zahl der jährlichen FSME-Erkrankungen in Österreich jeweils zwischen 45 (Minimum) und 113 Fällen (Maximum). Das ist eine normale Schwankungsbreite. Als die Immunisierungskampagnen im Jahr 1981 gestartet wurden, gab es jährlich noch bis zu 700 Erkrankungen. Ein Wert, den es in unserem Nachbarland Tschechien nach wie vor gibt. Denn während in Österreich die Durchimpfungsrate bei 85 Prozent liegt, beträgt sie in Tschechien nur zwischen 10 und 15 Prozent. Seit dem Jahr 2000 hat die Immunisierung den Österreichern rund 4.000 FSME-Fälle "erspart".

Die Verbreitung der Fälle der "Zecken-Krankheit" hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geändert. Mit 20 Fällen war Tirol im Jahr 2014 nach Oberösterreich (23) bereits an zweiter Stelle der Bundesländer-Rangliste. Im Laufe der Zeit ist die FSME in Österreich offenbar immer mehr nach Westen gewandert.

Die meisten Erkrankungen gab es im vergangenen Jahr in der Altersgruppe der 51-bis 60-Jährigen. Es waren 18 festgestellte Erkrankungen. Mit insgesamt 55 der 80 Fälle stellten die 41- bis 80-Jährigen die weitaus am stärksten betroffene Gruppe dar.

Der Leiter des Departments für Virologie der MedUni Wien, Franz X. Heinz, ehemals selbst maßgeblich an der Entwicklung des FSME-Impfstoffs beteiligt, präsentierte bei einem Symposium in Wien vor kurzem die neuen Entwicklungen: "Wenn wir die Jahre 1984 bis 2013 in Österreich betrachten, sehen wir eine Bewegung Richtung Westen. In Tirol gibt es die Krankheit erst seit 1984, in Vorarlberg seit dem Jahr 2000."

Mehrheit nicht im Impfschutz

Gleichzeitig "erklommen" die Viren mit den Zecken als Träger und Hunden, Mäusen, Füchsen, Rotwild, Vögeln, Igeln als "Wirte" auch höher gelegene Regionen. Wie die FSME nach Tirol ins Inn- und ins Zillertal sowie nach Vorarlberg ins Illtal kam, ist noch nicht geklärt. Da die Berge zwischen Tirol und Vorarlberg für das Virus "unüberwindlich" sind, vermutet Heinz, dass das Virus mit Wirtsorganismen nach Tirol von Deutschland aus gelangte, nach Vorarlberg aber von der Schweiz aus.

Irgendwann einmal gegen die FSME geimpft worden sind bereits 85 Prozent der Bevölkerung. Doch das bedeutet nicht, dass sie sich wirklich im Impfschutz befinden. Im wissenschaftlich abgesicherten, korrekten Impfschema (alle fünf Jahre Auffrischung bzw. ab dem 60. Lebensjahr alle drei Jahre) sind mittlerweile nur mehr 46 Prozent aller Österreicher. Jeder fünfte Österreicher hat 2013 bzw. 2014 seine Auffrischungsimpfung nicht wahrgenommen. (APA, derStandard.at, 9.3.2015)

  • Die Mehrheit der Österreicher müsste nachimpfen, um wirksam gegen FSME geschützt zu sein.
    foto: patrick pleul/dpa

    Die Mehrheit der Österreicher müsste nachimpfen, um wirksam gegen FSME geschützt zu sein.

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