Chauvinistische Waschanleitung: Der kalkulierte Sexismus

Kommentar9. März 2015, 13:55
199 Postings

Zusammen mit Pflegetipps verpasste Salvo Sports Apparel seinen Klamotten weitere Anleitungen: Waschen sei "ihre Aufgabe"

Jakarta – Eine chauvinistische Waschanleitung in einem Sporthemd hat einen veritablen Sturm der Empörung auf Twitter ausgelöst – gefolgt von Medienberichten über den dreisten und offenkundigen Sexismus. "Gib dieses Shirt deiner Frau. Es ist schließlich ihre Aufgabe" wurde in den Trikots zusammen mit Pflegetipps abgedruckt.

Der indonesische Sportbekleidungshersteller argumentiert mit einem uralten Trick: Frauen können das einfach besser! Beim Waschen, Putzen oder Kochen sind Männer einfach patschert. Bei Salvo Sports Apparel klingt das konkret so: "Wir wollen, dass Männer von Frauen lernen, wie man wäscht. Nicht alle Männer können sich um ihre Wäsche kümmern, aber Frauen sind Experten auf dem Gebiet."

"Es ist 2015", schreibt diese Twitter-Userin und will damit wohl ihre Fassungslosigkeit über derart dumpfe Frauenfeindlichkeit zum Ausdruck bringen.

Dieses "Es ist 2015" sollte allerdings auch Folgendes bewusst machen: Erstens muss man keiner noch so ignoranten Firma oder Werbeagentur im Jahr 2015 mehr erklären, dass ein solcher Spruch sexistisch ist. Die Zuständigen wissen sehr genau, wie die Ökonomie der Aufmerksamkeit funktioniert. Und der Fetisch der Geschlechterunterschiede rangiert in dieser Logik ganz oben.

Daraus folgt zweitens: Die Herabwürdigung von Frauen, getarnt als Hinweis auf patscherte Männer, kann im Jahr 2015 getrost als Garant für Aufmerksamkeit missbraucht werden. Es wäre naiv zu glauben, im Jahr 2015 sei das Problem mit Sexismus, dass man ihn noch immer erklären müsse. Das Problem ist vielmehr, dass heute ganz bewusst Quote damit gemacht wird. Viele empört Sexismus, und viele andere finden ihn schlichtweg lustig und machen jeden Hinweis auf ihn lächerlich – und die sollen jetzt ruhig aufeinander losgehen. Eine Rechnung, die aufgeht.

Wie sich dieser Kalkulation entziehen? Es könnte sich auszahlen, diese Frage künftig intensiv zu wälzen. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 9.3.2015)

  • "Nicht alle Männer können sich um ihre Wäsche kümmern", argumentiert der Sportbekleidungshersteller.
    foto: apa/ronald wittek

    "Nicht alle Männer können sich um ihre Wäsche kümmern", argumentiert der Sportbekleidungshersteller.

Share if you care.