Industriekomplex: Nord- und Südkorea im Clinch

9. März 2015, 11:01
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Nordkorea hat einseitig erklärt, den 53.000 Angestellten im koreanischen Industriekomplex mehr zu bezahlen, was Südkorea verärgert

Seoul/Pjöngjang - Nord- und Südkorea streiten über die Bezahlung der Arbeiter in der gemeinsamen Industriezone Kaesong. Zum "tiefen Bedauern" des Südens lehne Nordkorea seit Wochen Gespräche über die eigenmächtig angekündigte Anhebung des Grundgehalts für nordkoreanische Arbeiter ab, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums am Montag.

"Es ist fraglich, ob Nordkorea überhaupt gewillt ist, den Industriekomplex Kaesong weiterzuentwickeln." In der Industriezone arbeiten etwa 53.000 Nordkoreaner für mehr als hundert südkoreanische Firmen. Pjöngjang hatte vor wenigen Wochen bekannt gegeben, es plane eine einseitige Anhebung des Grundgehalts für die nordkoreanischen Arbeiter. Sie sollten künftig durchschnittlich 164 Dollar pro Monat von den südkoreanischen Firmen erhalten statt bisher 155 Dollar.

Politische Spannungen

Der Süden lehnt diesen Vorstoß ab und macht geltend, dass Entscheidungen dieser Art laut einem Abkommen von einem Komitee aus beiden Seiten getroffen werden müssen. Beobachter sehen den Streit um die Bezahlung als Teil eines Konflikts um die Kontrolle des Industriekomplexes.

Kaesong liegt etwa zehn Kilometer hinter der Grenze zu Südkorea auf nordkoreanischem Gebiet. Der dort im Jahr 2004 ins Leben gerufene Industriekomplex gilt als ein Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der beiden Länder. Allerdings zeigen sich dort häufig auch die politischen Spannungen: Im April 2013 hatte der Norden nach einem Militärmanöver von Südkorea und den USA seine Arbeiter aus Kaesong abgezogen. Der Komplex blieb fünf Monate lang geschlossen. Nach der Wiedereröffnung setzten beide Seiten ein Komitee ein, um Probleme beim Betrieb der Zone gemeinsam zu lösen. (APA, 9.3.2015)

  • Eine der wenigen Kooperationen zwischen Nord- und Südkorea sorgt derzeit für Streit. Nordkorea hat die Löhne der Arbeiter im gemeinsamen Industriekomplex einseitig angehoben.
    foto: apa/yonhap

    Eine der wenigen Kooperationen zwischen Nord- und Südkorea sorgt derzeit für Streit. Nordkorea hat die Löhne der Arbeiter im gemeinsamen Industriekomplex einseitig angehoben.

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