Geldschwemme: Wem EZB-Chef Draghi hilft

9. März 2015, 11:40
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Die Europäische Zentralbank macht ernst. 1,1 Billionen Euro wollen die Währungshüter in den kommenden Monaten ausgeben

Die EZB öffnet nun die Schleusen und flutet die Märkte mit unglaublich viel Geld: 1,1 Billionen Euro wollen die Währungshüter in den kommenden Monaten für Vermögenswerte ausgeben, vor allem für Staatsanleihen. Von Montag an bis mindestens September 2016 wollen sie Monat für Monat für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen. Wozu soll das gut sein, wer profitiert?

Frage: Warum startet die EZB diese Anleihenkäufe?

Antwort: Die Preisentwicklung im Euroraum bereitet den Notenbankern Sorgen. Im Jänner und Februar sind die Verbraucherpreise gesunken. Deshalb befürchten die Währungshüter eine Deflation, also einen anhaltenden Preisrückgang. Das könnte dazu führen, dass Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen in Erwartung weiterer Preissenkungen verschieben und die Wirtschaft bremst. Dies will die EZB mit den Käufen verhindern. Das Programm trägt nach Überzeugung der EZB dazu bei, die Inflation wieder auf das angestrebte Niveau von knapp zwei Prozent anzunähern.

Frage: Wie soll das Kaufprogramm funktionieren?

Antwort: Die EZB kauft Wertpapiere am Sekundärmarkt - also nicht direkt bei Staaten, sondern bei Banken oder Versicherern. So wird Geld ins Finanzsystem geschleust. Die EZB erwartet, dass das Programm den Unternehmen in ganz Europa helfen wird, leichter Zugang zu Krediten zu erhalten. Das werde die Investitionstätigkeit steigern, Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum insgesamt stützen. Dafür druckt sich die EZB quasi selbst Geld, die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes nimmt zu, daher der Begriff "Quantitative Lockerung" (QE).

Frage: Wie wirkt die Geldflut?

Antwort: Bisher beflügelt die Geldflut vor allem die Aktienmärkte. Da viele andere Geldanlagen wegen der niedrigen Zinsen kaum noch etwas abwerfen, stecken Investoren ihr Geld in Aktien. Die Kurse steigen. Experten warnen, dass dadurch Blasen an den Aktienmärkten entstehen können. Ähnliches gilt für Immobilienmärkte.

Frage: Wie reagiert der Euro?

Antwort: Der Euro verliert wegen der lockeren Geldpolitik rasant an Wert gegenüber dem Dollar. Die Exportwirtschaft profitiert davon insofern als ihre Produkte auf den Weltmärkten in Dollar billiger sind. Das kann die Wirtschaft der großen Exportländer, Deutschland, Frankreich und Italien beflügeln. Davon würde wiederum auch Österreich profitieren. Für Konsumenten begrenzt der schwache Euro die Effekte gesunkener Ölpreise, weil Rohöl und Benzin international in Dollar gehandelt werden. Mit anderen Worten: Wäre der Euro stärker, wäre Sprit hierzulande billiger. Und: Reisen in Nicht-Euroländer wie die Schweiz oder die USA werden teurer.

Frage: Was heißt das alles für Sparer?

Antwort: Die Anleihekäufe haben eigentlich keine direkte Auswirkung auf die Zinsen auf Sparbuch und Co. Allerdings dürfte die EZB die Leitzinsen nicht erhöhen, solange das milliardenschwere Programm läuft. Die Zeiten bleiben also noch eine ganze Weile hart für Sparer, insofern als die Zinsen niedrig bleiben. Die Renditen auf Staatsbonds wie Bundesanleihen dürften hingegen durch die Käufe direkt weiter nach unten gedrückt werden. Das trifft Besitzer von Anleihen oder Anleger, die Geld in Anleihenfonds investiert haben. Auch das Geld der Lebensversicherer steckt vor allem in Staatsanleihen. Hingegen profitieren Staaten. Auch der heimische Finanzminister kann sich freuen: Die EZB erhöht die Nachfrage nach den Schuldpapieren, Österreich kann sich noch günstiger Geld am Kapitalmarkt besorgen. (Reuters/red, derStandard.at, 9.3.2015)

  • Eine Folge der groß angelegten Geldschwemme: Der Euro verliert an Wert.
    foto: apa/deck

    Eine Folge der groß angelegten Geldschwemme: Der Euro verliert an Wert.

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