IAEO-Team zu Verhandlungen in Teheran

9. März 2015, 10:20
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Fünf technische Inspektoren wollen Anlage in Marivan besichtigen

Wien/Teheran - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) hat laut IRNA am Montag ein fünfköpfiges Expertenteam nach Teheran geschickt, um über technische Details des iranischen Atomprogramms zu verhandeln und eine Anlage in Marivan zu besichtigen. Angeführt wird die Delegation vom stellvertretenden IAEO-Chef Tero Varjoranta.

Die Experten werden bei ihrem Besuch mit hochrangigen Mitgliedern der iranischen Atomenergiebehörde und des Außenamtes zusammentreffen. Der iranische IAEO-Botschafter in Wien, Reza Najafi, hatte den Besuch im Vorfeld als Zeichen der Kooperationsbereitschaft Teherans mit der IAEO gepriesen. Teheran biete der IAEO auf "freiwilliger Basis" Zutritt zur Anlage in Marivan, 700 Kilometer westlich von Teheran, an, erklärte Najafi.

Geheimdienstberichte

Die IAEO will insbesondere Geheimdienstberichten nachgehen, wonach der Iran an Spezialzündern (Exploding-bridgewire detonators/EBW) geforscht habe, deren mögliche "Anwendung in atomaren Sprengkörpern" für die Atombehörde Anlass zur Besorgnis ist. Teheran versicherte jedoch, die Zünder nur für zivile und konventionelle militärische Zwecke zu verwenden.

In Marivan sollen laut einem IAEO-Bericht 2011 umfangreiche Hochexplosiv-Experimente stattgefunden haben. Die IAEO ist aber hauptsächlich an der Militärbasis Parchin interessiert, zu der der Iran den Zutritt verweigert.

Im Atomstreit haben die IAEO-Inspektoren bestätigt, dass der Iran laut Genfer Abkommen die Urananreicherung auf 20 Prozent eingestellt und das bereits auf 20 Prozent angereicherte Uran stufenweise in Brennstäbe umgewandelt oder auf fünf Prozent verdünnt hat. Außerdem seien keine neuen Zentrifugen installiert worden. Weitere Arbeiten am Schwerwasserreaktor in Arak seien ebenfalls gestoppt worden.

Informationsaustausch bemängelt

Laut dem jüngsten IAEO-Bericht verweigert Teheran aber weiterhin bei zwei von fünf Punkten, die die Atombehörde im Mai 2014 mit dem Iran vereinbart hatte, die volle Zusammenarbeit. Die IAEO vermisst einen Informationsaustausch über eine angebliche Durchführung von Experimenten mit Hochexplosiv-Stoffen und über Modellrechnungen für Atomexplosionen. Bereits im vergangenen August hätte Teheran eine Antwort geben sollen.

Indessen ringt die Staatengemeinschaft auf politischer Ebene weiter um eine Lösung im zwölf Jahre andauernden Konflikt. Nach mehreren geplatzten Fristen soll es nun bis 31. März eine grundsätzliche Einigung geben, bis 30. Juni eine endgültige Lösung. Sowohl die USA als auch der Iran haben signalisiert, keine weitere Verlängerung der Gespräche anzustreben.

Es geht darum, dass der Iran dem Westen glaubhafte und überprüfbare Garantien dafür abgibt, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Im Gegenzug will der Westen die Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik schrittweise suspendieren. (APA, 9.3.2015)

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