Aller Frauentage Abend

Einserkastl8. März 2015, 17:54
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Es gibt noch viel Nachholbedarf

Wenn der Frauentag ein Tag wie jeder andere geworden ist, hat sich einiges bewegt. Entweder weil Frauen endlich wirklich gleichen Anteil an Partizipation und Besitz haben. Oder weil man diese Hoffnung und Forderung aufgegeben hat. Momentan mäandert der Frauentag im Purgatorium zwischen Himmel und Hölle, einmal im Jahr rituell beschworen wie ein traditioneller Perchtenlauf, um den Winter zu vertreiben.

In Russland war dieser Tag Nationalfeiertag mit verordnetem Verwöhnprogramm. Am folgenden Morgen durften die Heldinnen des Alltags wieder ihrer gewohnten Doppelbelastung nachgehen. In Österreich ist es zwar besser. Aber nicht wirklich gut. Die Kinderbetreuung und Karenz - bis auf wenige engagierte Männer - nach wie vor überwiegend Frauensache. Der berufliche Ausfall, das Risiko des Anschlussverlustes ebenfalls. Unbezahlte Haushalts- und Pflegearbeit wird von Frauen mehr erwartet als von Männern. Österreich befindet sich im internationalen Ranking punkto Lohngerechtigkeit auf dem vorletzten Platz. Es fehlt an verlässlichen Rolemodels. Frauen, die Macht und Erfolg haben, gehören noch nicht zu den Archetypen des Unbewussten, was Frauenbilder anbelangt.

Hier herrscht akuter Nachholbedarf. Wir haben junge, kraftvolle, interessierte Frauen, die sich neue Wege suchen. Sich der Illusion hinzugeben, der Weg wäre bereits gegangen, ist nicht empfehlenswert. (rab, DER STANDARD, 9.3.2015)

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    foto: apa/helmut fohringer
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