Museales mit Schwung

8. März 2015, 18:18
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Salzburg Biennale mit Partch-Hommage zur Eröffnung

Salzburg - Marimba Eroica. Cloud Chamber Bowls. Gourd Tree-Kürbis-Baum: Der kalifornische Komponist und Instrumentenbauer Harry Partch (1901- 1974) hat sein eigenes Tonsystem mit 43 Tonstufen innerhalb der Oktave und dazu seine eigenen Instrumente entwickelt. Die Salzburg-Biennale widmete dem musikologischen Querdenker am Freitagabend ihr Eröffnungskonzert.

Das Kölner Ensemble Musikfabrik hat einen kompletten Satz von Partchs Instrumenten nachbauen lassen: exotische Verwandte von Hackbrett, Kithara oder Koto, Harmonium, Orgel und Schlaginstrumenten. Malerisch wie der Klangskulpturenpark ist der Titel des Stücks von Harry Partch, das in 23 Duos und Trios jedes Instrument zur Wirkung bringt: And on the Seventh Day Petals Fell in Petaluma.

Die technische Perfektion der Mitglieder des Ensembles Musikfabrik und der mitreißende Drive, den sie den Miniaturen verleihen, vertreiben jeden Gedanken ans Museale der Performance. Glissandi von Metall auf Metallsaiten evozieren Hawaii-Stimmung und Blumenkinder. Zeitlich kommt' s hin: And on the Seventh Day, in Salzburg zur österreichischen Erstaufführung gebracht, ist Mitte der Sechzigerjahre entstanden. Das Mikrotonale ist man inzwischen gewohnt. Mit Vergnügen lässt man sich von den vielschichtigen Rhythmen wiegen wie die Blütenblätter in Petaluma.

Wie bereits mit Delusion of the Fury von Harry Partch ist das Ensemble Musikfabrik auch mit And on the Seventh Day on Tour. Mit im Gepäck: zwei neue Werke für das Partch-Instrumentarium. Der dänische Komponist und Performer Simon Steen-Andersen hat im Auftrag der Salzburg-Biennale ein Stück für Partch-Instrumente geschrieben. Vor allem lässt er in Corpus für 7-8 Spieler auf 3 Harry-Partch-Instrumenten Bällchen und Becher auf der machtvoll schwingenden Marimba Eroica tanzen.

Caspar Johannes Walter komponierte im Auftrag des Ensembles Musikfabrik und der Kunststiftung NRW (Nordrheinwestfalen, Anm.) seinen Enharmonic Flux. Er spielt weniger mit den rhythmischen als mit den klanglichen Möglichkeiten des Instrumentariums und vermittelt einen Eindruck davon, wie viele Töne Partch tatsächlich in einem Halbtonschritt untergebracht hat: reizvolles Material zum "Nachsitzen" Europas in Sachen Harry Partch. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD, 9.3.2015)

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