Kunstprojekt: Metamorphosen eines Hausbaus

8. März 2015, 18:12
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Kunst am Bau begleitet ein Obdachlosenprojekt des Neunerhauses in Wien-Landstraße

Wien – In der Wiener Hagenmüllergasse entsteht ein Haus. Eines von drei "Neunerhäusern" für Obdachlose war zu baufällig und musste abgerissen werden. Im Rahmen von Kunst am Bau werden die Arbeiten begleitet und in einen Film gepackt. "Es gibt mehrere Ebenen: der Fokus auf den Bauprozess mit den Arbeitern und den Inhalt des Hauses, mit der Übersiedelung der Bewohner", sagt Regisseurin Melanie Hollaus.

"Wir wollten keinen Dokumentarfilm, der zeigt, wie heldenhaft wir ein Haus bauen", sagt Neunerhaus-Geschäftsführer Markus Reiter. Der Film dreht sich stattdessen um einen Text aus Ovids "Metamorphosen" – Philemon und Baucis. Darin suchen Zeus und Hermes Obdach. Einzig Philemon und seine Frau nehmen sie auf: "Es geht um Gastfreundschaft, das passt gut", sagt Hollaus.

Inszenierung und Realität

Die Handlung wurde von Schauspielern auf der Baustelle inszeniert. Am letzten Drehort, im Kunsthistorischen Museum, sprechen Reiter und die Bewohner vor einem Rubens-Gemälde über Themen des Mythos: Gerechtigkeit, Politik, Essen. "Gerecht ist ein Recht auf Wohnen. Nicht nur ein Dach über dem Kopf zu haben, sondern auch Lebensqualität", sagt Reiter.

Daher waren die Bewohner in die Planung von Haus und Film eingebunden: "Ich war noch nie bei einem Dreh dabei. Auch dass wir in einem Museum filmen, ist etwas Neues für mich", sagt Neunerhaus-Bewohner Manfred.

Im Frühsommer ziehen die Bewohner an ihren alten Standort zurück. (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 09.03.2015)

  • Rubens und die Bauarbeiter: Auf die Baustelle in der Hagenmüllergasse wird ein Gemälde des Barockmalers projiziert.
    foto: melanie hollaus, filmausschnitt

    Rubens und die Bauarbeiter: Auf die Baustelle in der Hagenmüllergasse wird ein Gemälde des Barockmalers projiziert.

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